Auch bei Schülern sorgt die Rechtschreibreform seit fünf Jahren für Unsicherheit
Hamburg - Der Schweizer Autor Adolf Muschg ("Im Sommer des Hasen") sagte der "Bild"-Zeitung: "Die Rechtschreibreform sollte sofort gestoppt werden. Sie ist unnötig wie ein Kropf und hat keine Verbesserung gebracht, sondern nur mehr Unsicherheit geschaffen."
Auch Martin Walser ("Ehen in Philippsburg") würde "sich freuen", wenn die Reform zurückgenommen würde. Er beklagt: "Die Idee dieser Reform wurde aus bürokratischem Müßiggang geboren." Walser, der die neuen Regeln wie viele andere Autoren boykottiert, erklärt: "Ich schreibe weiter, wie ich will." Der Schriftsteller Georg Klein ("Barbar Rosa") bemängelt in der Zeitung: "Die so genannte Rechtschreibreform war weniger als halbherzig." Es sei keine Schande, etwas Missratenes aus der Welt zurückzurufen.
Politiker wie Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und sein saarländischer Kollege Peter Müller (beide CDU) machen bereits seit längerem Front gegen die Reform. Wulff forderte jetzt die Bundesregierung auf, sich mit dem Ziel der Rücknahme der Rechtschreibreform mit den Regierungen von Österreich und der Schweiz abzustimmen. "Dann ließe sich die Sache schnell beenden", sagte der CDU-Politiker der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung". Alle Befürchtungen, die sich mit der Überarbeitung der Rechtschreibregeln verbunden hätten, seien übertroffen worden, sagte Wulff. "Die Rechtschreibung ist nicht einfacher und klarer geworden, sondern es herrscht Anarchie und Beliebigkeit."
Auch der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer (CDU), stimmt jetzt in den Chor mit ein und spricht sich für die Rückkehr zur alten Rechtschreibung aus. Böhmer sagte MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt, er habe die Rechtschreibreform von Beginn an für einen Irrweg gehalten. "Wenn ich versucht habe, sie anzuwenden, hatte ich ein ganz schlechtes Gewissen, weil ich dachte, das kann ja nur falsch sein", sagte er. Für ihn wäre eine Abkehr von der neuen Schreibweise deshalb kein Problem.
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