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20.08.2004
 

Theater-Truppe La Fura dels Baus

Pervers oder nur kontrovers?

Trotz Sex und Gewalt: Der Skandal bei der Hamburger Premiere der Schocktheater-Truppe La Fura dels Baus blieb aus. Richtig erregt war letztlich nur die "Bild"-Zeitung. Aufgrund ihrer Recherchen ermittelt jetzt die Hamburger Staatsanwaltschaft.

 Szene aus "XXX" von La Fura dels Baus: Schweinkram oder Eselei? Wer hat hier den Durchblick?
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Andreau Adrover

Szene aus "XXX" von La Fura dels Baus: Schweinkram oder Eselei? Wer hat hier den Durchblick?

"Porno pur" werde im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel gezeigt, wetterte gestern die "Bild"-Zeitung. Grund der Aufregung: Die provokante Inszenierung "XXX" der spanischen Theatergruppe "La Fura dels Baus", die am Mittwoch Premiere hatte. Das Multimedia-Stück nach einer Vorlage von Marquis de Sade zeigt hemmungslose Szenen um Inzest, Vergewaltigung und Pornografie. "Perverses Sex-Theater" meinte "Bild" und lieferte ihren Lesern zur Untermauerung die schönsten Bilder gleich mit.

Beim Publikum wie bei den übrigen Medien blieb die Empörung aus, Kampnagel Pressesprecher Jens Breder freute sich über eine "diskursive Stimmung" nach den Aufführungen. Dass die Inszenierung jetzt doch ein juristisches Nachspiel hat, ist Deutschlands größter Tageszeitung zu danken. Bei ihrer Recherche fragten die Journalisten bei der Polizei an, inwiefern die öffentliche Präsentation von Tierpornografie gesattet sei. Die so korrekte wie sittsame Überlegung rief umgehend die Hamburger Staatsanwaltschaft auf den Plan, die nun wegen der Verbreitung gewalt- oder tierpornografischer Schriften ermittelt.

"Wir prüfen, ob das Video durch die Kunstfreiheit gedeckt ist oder nicht" sagte Marion Zippel, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zippel ist allerdings erstaunt, dass "diese Inszenierung auch schon an anderen Orten gelaufen ist, ohne dass jemand Anstoß genommen hat".

Kampnagel hat die umstrittene Zehn-Sekunden-Sequenz, in der Sex mit einem Esel zu sehen ist, inzwischen gestrichen. "Das Stück wird ansonsten unverändert weiterhin gezeigt", so Breder. "Wir rechnen damit, dass das Ermittlungsverfahren eingestellt wird, weil es sich bei 'XXX' um ein Gesamtkunstwerk handelt."

Unterstützung bekommen die Theatermacher von der Hamburger Kulturbehörde: "Das ist ein wichtiges und richtiges Stück", so Sprecher Björn Marzahn. "Es spielt mit dem Grenzbereich von Pornografie und Kunst." Ob diese Grenze überschritten wurde, muss jetzt die Staatsanwaltschaft entscheiden. Erheben die Ermittler Anklage, gäbe es doch noch den Skandal, der eigentlich gar keiner war.

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