Berlin - Nach einer Bedenkzeit und der Sondierung von Konzept und Team habe Hein am Donnerstag seine Bereitschaft zur Übernahme der traditionsreichen Bühne ab der Spielzeit 2006/07 erklärt, sagte Kultursenator Thomas Flierl (PDS) am Freitag. Er kündigte umgehende Vertragsverhandlungen mit dem 60-Jährigen an und fügte hinzu: "Berlin und das Deutsche Theater können sich glücklich schätzen, wenn der bundesweit geachtete Autor und Theatermann Christoph Hein die Leitung des Deutschen Theaters übernimmt."
Flierl bezeichnete es als sein kulturpolitisches Ziel, das Deutsche Theater (DT) wieder zu einem führenden deutschsprachigen Schauspieltheater zu machen. Die Bühne sei in ihren besten Zeiten ein Künstlertheater, ein Theater herausragender Schauspieler gewesen, "dessen Ensemble sich langfristig entwickelte, das durch mit dem Haus fest verbundene Regisseure geprägt und mit geistiger und künstlerischer Souveränität geleitet wurde". Berlin mit seiner vielfältigen Theaterlandschaft benötige ein geistig erneuertes Deutsches Theater.
Um das DT zu leiten, brauche es "intellektuelle Übersicht, Unabhängigkeit, Unbestechlichkeit, braucht es theatralischen Sinn für Tradition und Erneuerung, braucht es Elan für das Projekt, Empathie für die künstlerischen Akteure und Überzeugungskraft in der Öffentlichkeit", so Flierl. Alle diese Eigenschaften besitze Christoph Hein. Er sei nicht nur Dramatiker und Romancier, Essayist und kritischer Chronist der deutschen Zustände, er sei seit seinen Tagen bei Benno Besson an der Volksbühne dem Theater unmittelbar verbunden und kenne die deutsche Theaterszene bestens. Bei Hein, sagt Flierl, handle es sich um einen "Seiteneinsteiger par excellence".
Der jetzige Intendant des DT, Bernd Wilms, hatte angekündigt, dass er im Sommer 2006 die Leitung des Hauses abgibt.
Christoph Hein gilt als poetischer Chronist der DDR-Ära. Er arbeitete als Montagearbeiter, Journalist und schließlich als Dramaturg und Stückeschreiber an der Berliner Volksbühne. Trotz Zensur sagte er in seinen Romanen und Stücken verklausuliert immer wieder das Ende der DDR voraus. Die Repressalien und Zensur-Bestrebungen der SED-Regierung erlebte er - wie viele seiner Schriftstellerkollegen - am eigenen Leib. Nach der Wende stand Hein unter anderem dem deutschen PEN-Club vor.
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