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25.11.2004
 

Interview mit Barbara Schöneberger

"Ich will nicht massenkompatibel sein"

Einst war sie die Hoffnungsträgerin des deutschen Fernsehens, jetzt fristet sie ein Nischen-Dasein montags um kurz vor Mitternacht: SPIEGEL ONLINE sprach mit der TV-Moderatorin Barbara Schöneberger über die Höhen und Tiefen ihrer Karriere und darüber, was Frauen im Fernsehen dürfen.

Moderatorin Schöneberger: "Ich wollte anders sein, größer, tiefgehender... und genau das war Schwachsinn"
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Moderatorin Schöneberger: "Ich wollte anders sein, größer, tiefgehender... und genau das war Schwachsinn"

SPIEGEL ONLINE:

Frau Schöneberger, Sie haben Ihre Stimme einem der Charaktere aus "Die Unglaublichen" geliehen, dem neuen Animationsfilm aus der Pixar-Schmiede. Haben Sie zu viel Zeit?

Schöneberger: Nein, bestimmt nicht, das hat gerade einmal einen halben Tag in Anspruch genommen.

SPIEGEL ONLINE: Was hat Sie daran gereizt?

Schöneberger: Es ist Gott sei Dank noch nicht so, dass ich mich um solche Jobs bewerben müsste. Vielmehr hat man mich gefragt, ob ich diese Aufgabe übernehmen will. Für mich hörte sich das dann zunächst so an, als ginge es dabei um eine Art Fortsetzung zu "Findet Nemo". Und da habe ich gedacht: Schau doch mal, wie das so funktioniert. Dass es sich bei dem Film um eine ganz andere Geschichte handelt, habe ich erst erfahren, als ich mitten in der Arbeit war. Ich bin nicht der Typ, der sich vorher ganz genau mit einer Sache auseinandersetzt, sondern eher derjenige, der sich überraschen lässt.

SPIEGEL ONLINE: So sind Sie vor knapp zwei Jahren auch an Ihre damalige Rolle als Hoffnungsträgerin des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und an die "Schöneberger-Show" herangegangen, die dem ZDF ein jüngeres Publikum bescheren sollte. Hat man damals zu viel von Ihnen erwartet?

Schöneberger: Im Prinzip sollten wir tatsächlich das Zuschauer-Durchschnittsalter um, na sagen wir, mal 30 oder 40 Jahre senken. Und das hat man sich offensichtlich leichter vorgestellt, als es dann tatsächlich war. Mich hat das weniger verwundert, weil aus irgendwelchen Gründen jede zweite Sendung ausfiel oder wegen Thomas Gottschalks Hang zum Überziehen bei "Wetten, dass...?" zweieinhalb Stunden nach hinten verschoben wurde.

SPIEGEL ONLINE: Also hatte die Programmplaner Schuld?

Schöneberger: Nein, es war schon definitiv meine Schuld, dass dieses Format letztlich nicht so aussah, wie ich es mir eigentlich gewünscht hatte. Irgendwie war alles eine Nummer zu groß und vielleicht auch zu glamourös. Die Dekors, die Kleider, alles zu groß! Alles passte einfach nicht zu dem, was ich eigentlich bin und kann.

SPIEGEL ONLINE: Hat das ZDF Sie mit zu großen Kleidern Ihrer Erotik beraubt?

Hoffnungsträgerin Schöneberger: "Ich rechne grundsätzlich nie damit, dass irgendetwas weiter geht"
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DPA

Hoffnungsträgerin Schöneberger: "Ich rechne grundsätzlich nie damit, dass irgendetwas weiter geht"

Schöneberger: Nein, ich habe mir das selbst ausgesucht, ich wollte damals alles möglichst perfekt und glänzend haben. Also kann ich mich heute auch nicht hinstellen und sagen, dass damals die Redaktion oder wer auch immer Schuld daran hatte, dass dieses Format nicht so erfolgreich war. Ich bin mit meiner Moderation einfach auf keinen grünen Zweig gekommen und war nicht die, die ich sein kann und zum Beispiel bei "Blondes Gift" auch bin. Ich wollte anders sein, größer, tiefgehender, und genau das war Schwachsinn.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie auch deshalb gescheitert, weil...

Schöneberger: Moment, ich sehe mich mit der "Schöneberger-Show" eigentlich nicht als gescheitert, schließlich haben wir die komplette Staffel mit 16 Folgen durchgezogen und es war nie die Rede davon, dass es dann zwingend eine zweite geben würde. Ich rechne grundsätzlich nie damit, dass irgendetwas weiter geht.

SPIEGEL ONLINE: ...weil die Zuschauer Sie ausschließlich als "Blondes Gift" sehen wollen?

Schöneberger: Möglicherweise. Es ist vielleicht wie der Fluch des Roy Black, der immer in weiß singen musste. Genauso werden die Leute vielleicht immer sagen, dass die Schöneberger eben doch bei "Blondes Gift" am besten aufgehoben ist. Und vielleicht zeigt sich in der Zukunft, dass ich mein ganzes Moderatoren-Leben lang auf "Blondes Gift" festgelegt werde. Das kann durchaus passieren.

SPIEGEL ONLINE: Ist die ganz große Karriere demnach schon an Ihnen vorbei gegangen?

Talkshow-Verliererin Engelke: "Die phantastischste Frau im deutschen Fernsehen!"
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Talkshow-Verliererin Engelke: "Die phantastischste Frau im deutschen Fernsehen!"

Schöneberger: Das sehe ich nicht so. Das ist doch alles eine Definitionsfrage. Wenn man Gottschalk als die ganz große Karriere definiert, dann hätte ich in der Tat noch viel Arbeit vor mir. Aber ich sehe mich im Moment in einer Position, mit der ich gut leben kann. Ich bin auch gar nicht sicher, ob ich überhaupt mit aller Macht in der ersten Reihe stehen will. Ich will in den Sendungen, in denen ich auftauche, also zum Beispiel bei "Genial daneben" oder "Blond Am Freitag", so sein können, wie ich bin, will sagen können, was ich sagen will, ohne dass mir bereits vorher irgendwelche Programmchefs den Mund verbieten wollen. Nur mit dieser Spontaneität fühle ich mich in einem Format wohl.

SPIEGEL ONLINE: Also sind Sie damit zufrieden, wieder bei den Privaten und dort im Mitternachts-Programm gelandet zu sein, Auto-Präsentationen zu moderieren oder für Tchibo zu werben?

Schöneberger: Sie werden lachen, ich bin sogar im Nachmitternachts-Programm gelandet und ich bin damit glücklich. Was hätte ich davon, wenn ich um 20.15 Uhr für ein großes Publikum moderieren würde, dabei aber nicht ich selbst sein könnte? Die Frage lautet doch: Will man massenkompatibel sein? Und meine Antwort ist: Eigentlich nicht! Da ist Harald Schmidt mein Vorbild, der nun auch nicht in dem Sinne erfolgreich gewesen ist, dass er Zuschauermassen bedient hat, sondern lieber gemacht hat, was ihm gerade in den Sinn kam.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Fehler gemacht?

Schöneberger: Wer macht die nicht? Jedenfalls habe ich bei den Formaten, die eher massenkompatibel waren, meist gedacht: Meine besten Freunde finden das eigentlich nicht so toll.

SPIEGEL ONLINE: War "Girlscamp" einer dieser Fehler?

Schöneberger: "Girlscamp"? Was war denn "Girlscamp"? Vier Folgen gemacht, 17 bezahlt bekommen. Also alles richtig gemacht. Man muss diese Dinge machen, um zu lernen, was man eigentlich nicht will.

SPIEGEL ONLINE: Ist Ihr Image als "kluges Luder" eine Last?

Sex-Symbol Schöneberger: "Mit Luder bin ich nicht d'accord"
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WDR / Fürst-Fastré

Sex-Symbol Schöneberger: "Mit Luder bin ich nicht d'accord"

Schöneberger: Mit Luder bin ich nicht d'accord. Wenn man mich aber als klug und erotisch bezeichnet, dann bin ich sehr wohl einverstanden, was könnte frau schließlich noch mehr wollen? Klug und erotisch? Super! Erotisch zu sein ist doch nichts Schlimmes, das einem wie Scheiße am Schuh kleben würde. Ein ganzer Wirtschaftszweig arbeitet schließlich dafür, Frauen dies zu ermöglichen.

SPIEGEL ONLINE: Mag sein. Sie selbst haben in einem früheren Interview erkannt, dass die Leute wissen wollen, ob die Schöneberger große Brüste hat. Das aber weiß man mittlerweile, was also können Sie dem Zuschauer nun Neues bieten?

Schöneberger: Nichts! Das Thema Brüste wird letztlich von der Presse immer wieder aufgegriffen. Kann sein, dass ich mich hin und wieder zu meiner bisweilen etwas unförmig über den Bildschirm flimmernden Figur äußere, was durchaus redundant sein mag. Dennoch spielen Brüste und Dekolleté bei mir keine überdimensionale Rolle.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie, um etwas Neues anzubieten, einer Einladung ins "Dschungelcamp" folgen?

Schöneberger: Das meinen Sie doch wohl nicht ernst?! Schauen Sie sich die Leute dort doch mal an und dann versuchen Sie bitte mir zu sagen, was ich mit denen gemein haben sollte. Ich hoffe fest, dass Ihnen nichts einfällt. Wenn ich Geld so nötig hätte, dann würde ich eher wieder bei "Hallhuber" T-Shirts zusammenlegen wie zu meiner Schulzeit. Das "Dschungelcamp" jedenfalls würde ich mir persönlich niemals erlauben.

SPIEGEL ONLINE: Was darf sich frau im deutschen Fernsehen eigentlich erlauben - und was nicht?

Schöneberger: Eigentlich darf man alles, die Frage ist nur, ob es der Zuschauer auch sehen will. Tatsache ist, dass frau bezüglich ihrer Akzeptanz immer noch hinterher hinkt. Wenn zum Beispiel die "Süddeutsche Zeitung" über Anke Engelke ernsthaft schreibt, dass man sich von einer Frau abends nicht die Welt erklären lassen will, dann weiß ich doch Bescheid, oder?

SPIEGEL ONLINE: Also darf Frau im Fernsehen eins nicht, nämlich erfolgreich sein?

Schöneberger: Das ist mir zu dogmatisch. Aber es ist wohl so, dass ein Harald Schmidt im dunklen Anzug den Zuschauer weniger fordert als eine Anke Engelke im bunten, knappen T-Shirt. Da wird einfach mit zweierlei Maß gemessen. Schließlich hatte auch Harald Schmidt zunächst eine lange Durststrecke zu überstehen. Vielleicht liegt es einfach daran, dass die Programm-Macher in der Regel eben Männer sind.

SPIEGEL ONLINE: Wie bewerten Sie dann das Aus von Anke Engelke bei Sat.1?

Schöneberger: Das möchte ich gar nicht kommentieren. Oder doch! Anke ist und bleibt die phantastischste Frau im deutschen Fernsehen!

Das Interview führte Andreas Kötter

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