Köln - Nach der Übernahme durch den amerikanischen Medienkonzern Viacom im August halten sich hartnäckig Spekulationen über einen Umzug an die Spree, wo auch die deutsche Zentrale der Viacom-Tochter MTV ihren Sitz hat. Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, der zufolge der Viva-Vorstand noch am Donnerstag auf einer Betriebsversammlung über Personal-und Standortentscheidungen informieren wird, wollte eine Viva-Sprecherin nicht kommentieren.
Eine Viva-Sprecherin sagte laut dpa, "eine Entscheidung bezüglich Personal und Standort kann erst Anfang 2005 fallen". Viacom halte inzwischen knapp 98 Prozent an der Viva Media AG. Am Standort Köln sind derzeit 270 Mitarbeiter in der AG und in der Fernsehproduktion beschäftigt. Hinzu kommen 284 Beschäftigte bei der Tochter Brainpool, die aber von einem möglichen Wegzug voraussichtlich nicht betroffen wären.
Laut Viva will Viacom den restlichen Kleinaktionären eine Zwangsabfindung auszahlen. Voraussichtlich in der zweiten Januarhälfte 2005 werde es eine außerordentliche Hauptversammlung geben, in der auch über einen Beherrschungsvertrag abgestimmt werden soll. Dieser Vertrag muss anschließend ins Handelsregister eingetragen werden. Danach will Viacom seine Zukunftspläne offen legen.
Unterdessen werden bei Viva schon die Weichen für die Eingruppierung des Senders in die MTV-Familie gestellt. Das ist offenbar mit schmerzhaften Verlusten verbunden. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, soll die tägliche Talkshow der Viva-Moderatorin Sarah Kuttner im nächsten Jahr nicht mehr produziert werden. Der Zeitung zufolge taucht die 25-Jährige auf dem Sendeplan für 2005 nicht mehr auf. Intern gelte es als beschlossene Sache, dass die Show nicht fortgesetzt werde, berichtet die Zeitung. Erst seit dem 2. August ist "Sarah Kuttner - die Show" montags und donnerstags um 21 Uhr im Programm. Es gebe "lose Gespräche" darüber, ob Kuttner als Ersatz eine Sendung auf MTV bekomme, die aber nicht so aufwändig produziert werden würde wie ihre jetzige Show, die sich binnen kurzer Zeit zum Kultformat entwickelt hatte und Viva gute Einschaltquoten bescherte. Eine Viva-Sprecherin wollte den Bericht der "FAZ" zunächst "weder bestätigen noch dementieren", meldete die dpa.
Nach Charlotte Roche, die im kommenden Jahr nicht mehr die Sendung "Fast Forward" präsentieren wird, wäre Kuttner die zweite prominente Moderatorin innerhalb kurzer Zeit, die ihre Show bei Viva verliert. Laut "FAZ" sollen auch die redaktionellen Viva-Sendungen "Mixery Raw Deluxe" sowie "Interaktiv" den Umbaumaßnahmen zum Opfer fallen. Deren MTV-Gegenstück "Select" stehe allerdings ebenfalls vor dem Aus.
Mit der Übernahme durch Viacom hat MTV nun auch die Programm-Hoheit über Viva. Beide Sender sowie ihre Ableger MTV2 Pop und VivaPlus sollen zum Frühjahr 2005 ein klareres, individuelleres Profil erhalten, hatten die Senderchefs im Oktober mitgeteilt.
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