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18.03.2005
 

Verdächtiges Tattoo

RTL 2 feuert "Big Brother"-Bewohner

Der Münchner TV-Sender RTL 2 hat aus dem Judenwitz-Debakel der letzten "Big Brother"-Staffel gelernt und lässt Vorsicht walten: Ein Teilnehmer der aktuellen Show musste das "Big Brother"-Dorf verlassen, weil seine Tätowierung an ein Nazi-Symbol erinnere.

Kiss-Cover mit Original-Logo: In Deutschland nicht erlaubt

Kiss-Cover mit Original-Logo: In Deutschland nicht erlaubt

Köln - Charly, 42, aus Frankfurt ist gelernter Maler und zog erst vor wenigen Tagen in das Dorf ein. Gestern Abend wurde der heftig tätowierte Glatzkopf von RTL 2 vor die Tür gesetzt. Grund war ein Tattoo am Oberarm des Musik-Fans, wie der Sender mitteilte. Dem Kandidaten zufolge handele es sich um das Logo seiner Lieblingsband Kiss. Der Sender befürchtete dagegen, die Tätowierung könne als Symbol der rechtsradikalen Szene missverstanden werden. Um Spekulationen vorzubeugen und eine klare Distanzierung sicherzustellen, habe der Sender beschlossen, dass der Kandidat nicht weiter an der Show teilnehmen dürfe, hieß es.

Offenbar will man bei dem Münchner Sender kein Risiko mehr eingehen: In der vorhergehenden fünften "Big Brother"-Staffel hatte ein Teilnehmer mit judenfeindlichen Witzen für einen Skandal gesorgt. Zwar hatte RTL 2 die anstößigen Sequenzen in seinen täglichen Zusammenfassungen nicht ausgestrahlt. Bei dem Pay-TV-Sender Premiere waren sie allerdings bei dem eigens eingerichteten "Big Brother"-Kanal durchgegangen. Premiere hatte daraufhin personelle Konsequenzen gezogen und angekündigt, die Ausstrahlung strenger zu kontrollieren.

RTL-2-Geschäftsführer Jochen Starke betonte, "Big Brother" sei ein Unterhaltungsformat. Wenn sein Sender den Eindruck gewinne, es könnten "falsche Assoziationen" entstehen oder Gefühle der Zuschauer verletzt werden, müssen er seiner Verantwortung gerecht werden und handeln.

Tatsächlich erinnert das doppelte S im Namenszug-Logo der amerikanischen Rockband Kiss an die Nazi-Rune der SS, war aber nie als Hommage an das Dritte Reich gedacht. 1980 kam es während der "Unmasked"-Tournee der Band in Deutschland dennoch zu Protesten und einer politischen Debatte, die zum Verbot des Logos führte. Die zuständige Plattenfirma EMI änderte daher die deutschen Plattencover und tauschte die an Blitze erinnernden Buchstaben gegen runde Lettern aus.

Die sechste "Big Brother"-Staffel war Anfang März gestartet. Diesmal ist kein Ende der Reality-Show geplant. Die wechselnden - insgesamt jeweils 15 - Kandidaten leben in einem kompletten Dorf in Köln-Ossendorf samt Wohnhäusern, Autowerkstatt und einem Bauernhof mit Kühen.

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