Von Christian Buß
Mediendesperados, für die jeder Zug abgefahren scheint, finden bei RTL bekanntlich immer noch ein Schlupfloch. Sie dürfen von einer zweiten Karriere träumen, vorausgesetzt, sie bringen den Willen zur Selbstaufgabe mit. Bevor man heute beim Finale von "Teufels Küche" zum letzten Mal einer Gruppe abgehalfterter Unterhalter dabei zu sieht, wie sie bei ihrer Ausbildung zu Gourmetköchen terrorisiert und exponiert werden, läuft die Serie "Das geheime Leben der Spielerfrauen" an. Eine Seifenoper, in der sich B-Models, C-Promis und D-Darsteller durch die Intrigen der Fußballwelt chargieren.
Als Vorbilder für das werbetauglich ausdekorierte Ränkespiel dienten Martina Effenberg und andere reale Spielerfrauen, die darum bemüht waren oder sind, den Ruhm des Gatten und zugleich das Familienvermögen zu mehren. Bei RTL verbinden diese angetrauten Managerinnen militantes Ludertum mit beißendem Puffmuttercharme. Wenn es die Jungs zu wild treiben, werden sie in der Dusche vor versammelter Mannschaft runtergeputzt.
Klar, die Dialoge sind hölzern. Die Schauspieler scheinen beim schnellen Sprechen öfter mal den Faden zu verlieren. Trotzdem entwickelt "Das geheime Leben der Spielerfrauen" einen eigentümlichen Sog. Schließlich spiegelt die Serie recht schön den Mediendarwinismus wider, dem RTL sich umso hemmungsloser hingibt, je weiter die Zuschauerzahlen in den Keller gehen. Gerade im Zusammenhang mit "Teufels Küche" weist das fiktive Format eine gewisse Wirkungskraft auf: Reality-Soap und Soap-Realität sind bei RTL ja längst zu einer undurchdringlichen Einheit verschmolzen.
Nehmen wir zum Beispiel Ben Tewaag: Wahrscheinlich kennen wenige den Namen, aber fast jeder das Gesicht des jungen Mannes, der zuallererst der Spross von Uschi Glas ist und auch mal in der deutschen Kopie der MTV-Extrem-Stuntshow "Jackass" seinen Po hingehalten hat. In der Spielerfrauen-Soap stellt der Berufssohn einen Stürmer dar. Man könnte ihn sich aber auch ganz gut in dem Edelstahl-Gulag von "Teufels Küche" vorstellen, wo er sich für ein paar Minuten Medienöffentlichkeit vom Chefkoch erniedrigen lässt. Es wäre aber ebenso denkbar, dass der von Tewaag gespielte Fußballerdummbatz sich auf Geheiß seiner managenden Ehefrau für ein bisschen Publicity in eine Sendung wie "Teufels Küche" begibt. Wo beginnt die Wirklichkeit, wo hört sie auf? In der Promi-Twilight-Zone von RTL verwischt die Grenze zwischen Rolle und Person. Das Wort "Reality" hat keinen guten Leumund, seit es von dem Sender auf ewig mit den Anhang "Soap" verknüpft wurde.
So geht es in "Das geheime Leben der Spielerfrauen" sehr selten um echte sportliche Triumphe oder Niederlagen. Das ist nur konsequent. Statt durchtrainierter Männerwaden werden die hochgerüsteten, heißgewachsten und in höllisch teuren High-Heels präsentierten Fesseln ihrer Frauen gezeigt. Die Serie bedient eher Fußfetischisten als Fußballfans. Die Männer sieht man manchmal an der Bar, selten beim Duschen, fast nie auf dem Platz. Über das Schicksal des 1. FC Düsseldorf, dem fiktiven Bundesligaclub in der Serie, wird in den Boutiquen der Stadt entschieden. Ständig sieht man die Fußballerfrauen beim Shopping oder im Nagelstudio. Hier schmieden sie Komplotte, stechen Konkurrentinnen aus und machen ihre Deals. Hier bestimmen sie über Gedeih und Verderbs des Vereins.
Für das Publikum des Sozialneidmultiplikatoren RTL evoziert man den Lebensstil der Serienheldinnen mit einigen aussagekräftigen Modenamen. Während eine der Spielergattinnen etwa bei einer Shoppingtour über den Verkauf ihres Mannes an einen Münchner Club verhandelt, schreit es den Zuschauer an: Prada! Gucci! Armani! Das versteht auch der arme Wicht, der sein Frühjahrsoutfit im Wal-Mart zusammenstellen muss.
Damit der Stammzuschauer nicht gar so alleingelassen wird, schwappt irgendwann der sympathische rheinische Geldsack Reiner Calmund als "Gaststar" in die Handlung. Auf einer Party sagt der ehemalige Leverkusen-Manager und jetzige RTL-Erfolgsmenschdarsteller zum Spielerweibe: "Mann, Petra, dein Mario geht ja ab wie eine Rakete." Das ist wohl das Mindestmaß an Businesstalk, den die Serie braucht, und das Höchste an geschäftlicher Weitsicht, das der Kölner Sender seiner Klientel zumuten möchte. Zuvor war Calmund ja als Anheizer und Schiedsrichter in dem Spielformat "Big Boss" zu sehen. Ein paar linkische, verlorene Nadelstreifenseelchen wurden dort von ihm zum Würstchenverkaufen durch die Fußgängerzone gejagt, um ihr Managementtalent unter Beweis zu stellen. Die Sendung war ein Quotendesaster. Vielleicht sind die RTL-Zuschauer ja doch nicht so genügsam, wie die RTL-Macher denken.
Wie "Big Boss" und fast jede andere Sendung des Privatanbieters ist auch "Das geheime Leben der Spielerfrauen" der Nachbau einer angelsächsischen Produktion. "Footballers' Wives" heißt das britische Original, in dem noch schamloser auf reale Personen aus dem Sportgeschehen angespielt wird. Während man im Königreich mit Beckham und Gattin aber immerhin über poptaugliches Personal im Zicken-, Diven- und Läuterungstheater der durchmedialisierten Sportwelt verfügt, versprühen die singenden, modelnden oder sich sonst irgendwie selbstveräußernden Menschen in "Das geheime Leben der Spielerfrauen" so viel Glamour, wie es gerade noch in die frühgreise RTL-Musikshow "Die Hits der 80er" passt. Genau der Aufguss also, der in unsere kleine, gruselige und armselige Fernsehwelt passt.
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