Von Uh-Young Kim
Vergangene Woche endete in den USA die vierte Staffel der Thrillerserie um den Anti-Terror-Agenten Jack Bauer. Während für Januar 2006 bereits "Season 5" angekündigt ist, läuft Bauers jüngste Mission erst im Herbst in Deutschland an. Gerade befindet sich hier die dritte Staffel der 24-stündigen Terroristenjagd auf der Zielgeraden. Die Zeitzonen mögen in den Fernsehnationen versetzt sein. An Jack Bauers Grundproblem ändert dies nichts: Permanent rennt ihm die Zeit davon. Als patriotischer Workaholic kann er nicht anders, als ihr hinterher zu hetzen.
Dass "24" als ultimative Fernsehserie der amerikanischen Gegenwart gilt, liegt nicht nur am Echtzeit-Prinzip und den Bezügen zum "Krieg gegen den Terrorismus". In der vierten Staffel wird nun deutlich, dass die Serie darüber hinaus als Allegorie der Arbeit verstanden werden kann. Die Arbeitswut Jack Bauers erweist sich als einzig verbliebenes Mittel gegen die Verunsicherung, die sich durch die Gesellschaft der USA seit dem 11. September 2001 zieht. Zudem spiegeln die flexibilisierten Abläufe in der "Counter Terrorist Unit" (CTU) ein Panorama neoliberaler Arbeitsverhältnisse wider. So schwingt in der Angst um die Innere Sicherheit immer auch die Angst um den Arbeitsplatz mit.
Bürgerrechte auf der Folterbank
Zwischen dem Ende von "Tag 3" und dem Anfang von "Tag 4" liegen 18 Monate. Nur so viel sei verraten: Ungewohnt bieder kehrt Bauer in Anzug und Krawatte zurück auf den Bildschirm. Seit seinem Rauswurf aus der CTU steht er im Dienste des Verteidigungsministers. Natürlich dauert es nicht lange, bis er aus dem geregelten Beamtendasein ausbricht. Als gnadenloser Soziopath missachtet er anschließend wieder Gesetze im Auftrag des Vaterlandes und spannt Bürgerrechte auf die Folterbank.
Die Deadline als Gott und Dämon
Mobilität auf Abruf und Entscheidungskompetenz unter Zeitdruck zeichnen die Arbeit des Selbstausbeuters Bauer aus - Berufsanforderungen, die auch auf jeden Selbstständigen im Kreativsektor passen. Die Quittung kommt als Leben am Rande des Burnout-Syndroms. Bauer ist stets nur einen Adrenalinschub weit vom Karoshi - dem Tod durch Überarbeitung - entfernt. Trotzdem verfolgt er mit protestantischer Arbeitsethik jede Fährte. Wie ein Webdesigner bei der Projektarbeit verschleißt er zwanghaft Leib und Seele in selbstverständlichen Überstunden. Immer auf den letzten Drücker: Die Deadline ist sein Gott und Dämon.
Dabei produziert Bauer nichts, er verhindert bloß. Als Agent der Inneren Sicherheit besteht sein Service für die Nation darin, die fragile Ordnung der Dienstleistungsgesellschaft vor dem Kollaps zu beschützen. Frustrierenderweise ist das Ergebnis seiner Arbeit nicht nur unsichtbar. Zum Plot jeder Staffel gehört, dass er sogar von den eigenen Leuten verfolgt wird. Im Gegenzug geht er auch in der neuen Staffel kaltblütig über kollegiale Leichen.
Inmitten der Datenkollisionen der Terroristenbekämpfung bleibt keine Zeit für Schuld oder Selbstmitleid. Der CTU-Agent hat im Multitask-Modus sowieso schon mehr als genug zu tun. Ausgestattet mit modernsten Überwachungstechnologien beobachtet er finstere Laptop-Terroristen durch wärmesensorische Faseroptikkameras, während er Satellitenbilder auf dem Pocket-PC empfängt und sich am implantierten Peilsender kratzt. Auch wenn "24" die virtuelle Verbrecherjagd zelebriert, wird die anfällige und manipulierbare Technologie in den entscheidenden Momenten immer wieder zum Fluch.
Wadenbeißer vom Dienst
Dann ist es an der Zeit, die Immaterialität der Computer durch den Pragmatismus des amerikanischen Helden à la Bruce Willis abzulösen. Trotz aller Aussichtlosigkeit bezwingt er das Böse im Alleingang durch schiere Willenskraft. Mehr noch als bisher konzentriert sich der Plot der vierten Staffel auf den Alleingang des All-American-Hero Jack Bauer. So weichen die preisgekrönten, synchronen Handlungsstränge früherer Staffeln dem Spotlight auf den Wadenbeißer vom Dienst.
Je mehr aber die Einzigartigkeit des Helden als Konstante fixiert wird, desto deutlicher tritt die Austauschbarkeit von Arbeitskräften in seinem Umfeld hervor. In der vierten Staffel wird das Prinzip "hire & fire" zum Leitmotiv. Ohne Unterlass dreht sich das Jobkarussell bei der CTU bis in die obersten Befehlsränge. Durch Intrigen und Versagen im Belastbarkeitstest ergeben sich fast in jeder Folge neue Aufstiegsmöglichkeiten. Es wird munter gemobbt, verraten und bespitzelt.
Patzer darf sich keiner leisten
Dagegen gehorchen die gesichtslosen Terroristen bis in den Tod. Am Ende muss die starre Befehlsstruktur der Bösewichte natürlich der individuellen Dynamik des freien Willens unterlegen sein. Um die Freiheit aber nicht zu wild wuchern zu lassen, herrscht in der verglasten Innenarchitektur der CTU die volle Kontrolle am Arbeitsplatz via Bildschirmtelefon und Passworthierarchien. Patzer darf sich hier keiner leisten, denn jeder - außer Jack - ist ersetzbar.
Der Austauschbarkeit am Arbeitsplatz steht die Einzigartigkeit der Familie gegenüber. Die Familie ist seit Beginn der Serie die Leidtragende. Da die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben immer durchlässiger wird, geraten die einst getrennten Milieus ständig in Konflikt: Von den Entführungen von Bauers Tochter und der Ermordung seiner Frau bis hin zu Terroristen mit väterlichen Gefühlen und Hochverrat aus Liebe. In Bauers Fall hat die Arbeit die Familie erst verdrängt, dann durchdrungen und schließlich zerstört.
Versagen als Motor
Der Verlust seiner Frau, der am Ende der ersten Staffel stand, ist sein persönliches Trauma. Für einen Kontrollfreak wie Jack Bauer ist das private Versagen zum Motor geworden. Einsatz für Einsatz muss er ihm einen Sinn geben, indem er nationale Katastrophen verhindert und die Kontrolle über die öffentliche Ordnung wiederherstellt. Wo andere überfordert kapitulieren, hält Bauer dem Stress stand und funktioniert weiter. "24" ist nicht zuletzt eine Durchhalteserie. In Zeiten des "information overload", der privaten und globalen Unsicherheit und der sozialen Entfremdung liegt auch darin ihr Erfolg begründet.
Der Held aber hat keine Alternative, als obsessiv Raubbau an Körper und Geist zu betreiben. Dass Liebe dabei unmöglich wird, muss er als weiteren Kollateralschaden hinnehmen. Die einzige Sicherheit, die ihm bleibt, ist, der beste Terroristenjäger weit und breit zu sein. Ohne seine Arbeit würde Jack Bauer auseinander fallen. Nur in ihr findet der arme Kerl noch sein Glück.
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mal diese SEnder sind eh nur Abspielbüros , sag ich mal, mesit kommt am Wochenende so ein Folgenmarathon. der mann am Pulkt drückt nen Knopf und geht dann heim, damit macht man dei besten Serien kaputt, meist kommen dann ch [...] mehr...
Tun Sie das. Die werden sich bestimmt freuen. mehr...
Leider sind unsere Fernsehkanäle immer noch mit diesen unsäglichen TV-Serien rund um Tötungsdelikte vollgestopft. Obwohl mit Monk und gerichtsmediziner Serien ja unglaubliche Kreativität bewiesen wurde. Für die Drehbuchautoren [...] mehr...
Ich würde mich gern über das Finale der letzten Curb your Enthusiasm-Staffel austauschen. Gibt es hier Leute die Curb genauso mögen wie ich, oder wird hier nur Käse wie V, Navy CIS, Firefly geschaut? Do you guys respect wood? mehr...
ich mal Unitymedia anrufen müssen, was die mir für Sender einspeisen ? mehr...
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