Venedig - Er habe mit dem 15 Meter hohen Kubus auf dem Markusplatz nicht die Kaaba in Mekka rekonstruieren, sondern lediglich Assoziationen herstellen wollen, sagte der deutsche Künstler Gregor Schneider in einem offiziellen Statement. Form, Material und Aussehen seiner Skulptur "Cube Venice 2005" seien nicht mit dem islamischen Heiligtum Kaaba identisch, so Schneider. Die Absage der italienischen Behörden richte sich somit gegen einen abstrakten Kubus, eine "Ikone der modernen Kunst".
Die öffentliche Ausstellung von Schneiders Kunstwerk auf dem Markusplatz in Venedig war Anfang der Woche verboten worden. Auch einen anderen Platz habe man dem Kubus nicht zuweisen wollen. Laut venezianischer Kunstbehörde bestehe die Sorge, dass sich Muslime von dem Werk provoziert fühlen könnten und für die Stadt damit der Gefahr von Terroranschlägen ausgesetzt sei.
Laut Schneider basiere das Verbot "auf einer Fehlinterpretation und wird weder dem Kunstprojekt noch den Gefühlen der islamischen Welt gerecht. Letztlich werden durch das Verbot erst weitere Ängste geschürt."
Er habe bis heute keine offizielle Ausladung seitens der Biennale-Macher bekommen, erklärte der Künstler. Hintergrund des Verbots seien nicht Sicherheitsbedenken, sondern politische Gründe, zitierte Schneider aus einem Schreiben von Biennale-Präsident Davide Croff an ihn. Ihm sei auch nicht erlaubt worden, im Katalog der 51. internationalen Kunstschau in einem Künstler-Statement zu erklären, warum sein Werk nicht realisiert wurde. Stattdessen sind im Katalog die ihm gewidmeten Seiten komplett schwarz gedruckt.
Dabei scheint Schneiders Kunstwerk die religiösen Gefühle der Muslime nicht sonderlich zu verletzen. "Es ist nicht verboten, die Kaaba darzustellen. Es gibt Darstellungen in Hülle und Fülle", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Nadeem Elyas, der dpa. Die Darstellung des Künstlers sei "mit Ehre und Würde" geplant gewesen. Es gebe keinen Grund zur Besorgnis.
Schneiders Würfel hätte "mit Sicherheit" eine Diskussion über den Islam ausgelöst, sagte Elyas. Er bedauert das Verbot: "Die Entscheidung ist nicht förderlich für den Dialog zwischen Muslimen und Christen." Die Darstellung auf dem Markusplatz wäre eher eine Provokation der Christen und nicht der Muslime gewesen. Aus seiner Sicht wäre deshalb eine kleinere Darstellung an einem anderen Ort "vielleicht günstiger" gewesen.
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