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08.07.2005
 

"GQ TV"

Motorboot und Minibikini

Von Christian Stöcker

Männermagazine haben's schwer, auf Papier und im Fernsehen: Immer warten alle nur auf blanke Brüste und vielleicht ein bisschen Chrom. "GQ TV" trat gestern erstmals an, es anders zu machen. Zu sehen gab es wenig Haut und viele Kaufempfehlungen.

Aiman Abdallah hat nicht ganz recht. "GQ TV" werde das "erste Männer-Lifestylemagazin im deutschen Fernsehen" sein, sagte der Moderator ("Galileo") im Interview mit dem zugehörigen Print-Blatt. Dabei ist das Männer-Fernsehen ein ziemlich alter Hut: Schon in den achtziger Jahren gab es "M" das Männermagazin bei RTL, damals eine willkommene Bereicherung der TV-Masturbationshilfen für Pubertierende, die sich sonst mit Filmen auf Sat.1 herumquälen mussten, die immer das Wort "Lederhose" im Titel hatten.

"M" sollte damals stehen für "Männer, Muskeln, Motoren, Mädchen" - oder so ähnlich. Tatsächlich hatten letztere, meist auf allen vieren über Flokatis krabbelnd oder sich mit Sonnenöl einreibend, einen besonders großen Anteil an der Sendezeit - zur Freude der Zielgruppe. "M" wurde gescholten als sexistisch, geschmacklos und ansonsten irrelevant. Der SPIEGEL fand damals die schöne Bezeichnung "mammographische Wundertüte für den notleidenden Spanner" für die Sendung. So ist es eben mit den Männermagazinen - die Sache mit den erotischen Bildern verdirbt irgendwie das Image. Frauenzeitschriften haben es da leichter. Noch nie hat jemand betont, er kaufe sich "Cosmopolitan" nur wegen der tollen Interviews.

Reiseführer in die Warenwelt

Dementsprechend interessierte im Vorfeld der TV-Premiere von "GQ - Gentleman's World" (gestern Abend, 23.10 Uhr, ProSieben) vor allem eine Frage, die auch das Printmagazin dem Moderator stellte: "Wie sexy wird GQ TV sein?". Abdallah behauptete, "sehr sexy, aber immer anspruchsvoll", was ein bisschen so klingt wie die Ausrede mit den Interviews im "Playboy".

Tatsächlich ist "GQ TV" gar nicht mal so besonders sexy - die erste Ausgabe beschränkte sich in dieser Hinsicht auf ein vom Zuschauer akustisch auszublendendes Interview mit dem brasilianischen Model Alessandra Ambrosio, das von ausgiebigem Bildmaterial von Unterwäsche-Modenschauen und Bikini-Fotoshootings begleitet wurde. Wer doch zuhörte, dem verriet Alessandra, wie toll es war, in Rio am Strand in einem Minibikini aufzuwachsen.

Damit war der Programmpunkt "sexy" erledigt, außer, man lässt auch den erotischen Charme von Fahrrädern, Puls-Uhren, Turnschuhen und hölzernen Motorbooten gelten, die in "GQ TV" enthusiastisch und selbstverständlich unter vollständiger und gut verständlicher Nennung des Herstellers präsentiert werden. Da erinnern nicht nur gedruckte Männermagazine dann eben doch sehr an Frauenzeitschriften: Sie sind auch und nicht zuletzt Reiseführer in die schöne teure Warenwelt. Bei "GQ TV" treibt das wunderbare Blüten, etwa in dem Moment, in dem Abdallah im weißen Anzug vor einem italienischen See steht und mit gewinnendem Homeshopping-Lächeln in die Kamera sagt: "Bei einem richtig komfortablen Motorboot gibt es wohl, so heißt es zumindest, nur eine Wahl: Riva."

Niki Lauda stapelt Wörter

Werbefrei und wirklich interessant war nur der erste Beitrag der Sendung: Niki Lauda und seine beiden Söhne, die auch in den Motorsport wollen, sprechen über ihre Beziehung. Neben viel Sonnenbrillen-Coolness und reichen Hochglanz-Jünglingen bekommt man da einen feinen kleinen Abriss der Probleme zu sehen, die ein junger Mensch bekommt, dessen Vater einst ein berühmter, stets abwesender Rennfahrer war. Früher sei das schon schwierig gewesen, gibt Papa Lauda zu, und formuliert dann, bedächtig, ein Wort auf das andere stapelnd, man habe heute ein "korrektes ... normales ... angenehmes ... warmes ... Verhältnis." Keine weiteren Fragen.

Im weiteren Verlauf der Sendung scheiterte "GQ TV" erwartungsgemäß an der selbstgestellten Aufgabe, in ein paar Minuten das Fragebündel "Was genau ist ein guter Wein, wie wird er getrunken und zu welchem Essen passt er?" zu beantworten. Und zum Abschluss versuchte "GQ"-Kolumnist Kurt Molzer lustig zu sein, indem er in München auf der Straße Frauen fragt, ob sie mit ihm schlafen wollen.

Der Humor also ist pubertär, ansonsten ist "GQ TV" für die nachgewachsene Zielgruppe von "M" eher uninteressant. Aber notleidende Spanner finden ja heutzutage in jeder beliebigen Werbepause ab 23 Uhr Erlösung.

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