• Drucken
  • Senden
  • Feedback
12.07.2005
 

Goya in Berlin

Millionen für den Teufelsmaler

Zwei Millionen Euro kostet die heute eröffnete Ausstellung über Francisco de Goya in der Alten Nationalgalerie von Berlin. Über zehn Jahre dauerte es, die erste deutsche Werkschau des spanischen Genies zu realisieren. Solche Superlative und die extremen Sittengemälde Goyas sollen für einen Besucherandrang à la MoMa sorgen.

Berlin - Bis zum 3. Oktober werden in der Alten Nationalgalerie in Berlin rund 80 Gemälde, 60 Zeichnungen und 30 Grafiken aus öffentlichen und privaten Sammlungen gezeigt. Die Werke des spanischen Malers Francisco de Goya sind erstmalig in einer derart umfassenden Ausstellung in Deutschland zu sehen. Mehr als zehn Jahre dauerte die Vorbereitungszeit der Schau, die in enger Zusammenarbeit mit dem Prado in Madrid entstand.

Im Mittelpunkt steht die Rolle Goyas (1746 - 1828) als Wegbereiter der europäischen Moderne. Die Ausstellungsmacher erhoffen sich von Goya einen ähnlichen Erfolg wie von der MoMa-Schau im vergangenen Jahr. "Goya wird das europäische Ausstellungsereignis dieses Sommers", versprach Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin heute bei Pressekonferenz. Rund 190.000 Besucher werden in den kommenden drei Monaten erwartet.

Goya begann seine Laufbahn als Entwurfsmaler für die königliche Tapisserien-Manufaktur, bevor er zum gefragten Porträtmaler wurde. Das spanische Königshaus und die Kirche waren seine Haupt-Auftraggeber. In den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts lasse sich eine Wende im künstlerischen Schaffen Goyas feststellen, sagte Schuster. Er begann, sich für die Nachtseiten der Gesellschaft zu interessieren und malte in Irrenanstalten und so genannten Siechenhäusern, wo Pestkranke dem Tod entgegen dämmerten. Langsam zog Goya sich von seinen öffentlichen Ämtern zurück und schuf Druckgrafiken. Die "Caprichos" ("Launen" 1798) und "Desastres de la Guerra" (1810) zeigen seine Beschäftigung mit den politischen und sozialen Umständen seiner Zeit.

Als "Teufelsmaler" beschrieb sich Goya einmal gegenüber einem Freund. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis er sich im erzkatholischen Spanien entweder mit dem Königshof oder den Richtern der Inquisition anlegen würde. Solange er nur heitere Gesellschaftsszenen der Hofgesellschaft abbildete und damit seinen Ruhm mehrte, ging alles gut, doch als Goya in späteren Jahren immer krassere Sittengemälde entwarf, in denen neben Kriegsszenerien auch Huren und Hexensabbate zu sehen waren, wuchs seine Angst vor politischer und religiöser Verfolgung durch die Heilige Inquisition.

Dabei tat Goya so ziemlich alles, um seine Klientel mit subtilem Pinselstrich zu provozieren: Er malte durch die Luft schwirrende Dämonen, einen Kirchenmann, der ungelenk auf einem Seil balanciert oder entlarvte Klerus und Adel in opulenten Tafeln mit dekadenten und divenhaften Darstellungen. "Goya, Alptraumwelt des Unbekannten, der Föten, die kochen, wo Hexen sich treffen; Alte vor Spiegeln, nackte Kinder, Mädchen, die für Teufel ihre Strümpfe glatt ziehen", schrieb Charles Baudelaire viele Jahrzehnte nach Goyas Tod im französischen Exil.

Die Ausstellung unter dem Titel "Goya - Prophet der Moderne" wird heute Abend offiziell eröffnet. Sie zeigt die Etappen des spanischen Malers von den Anfängen seiner Laufbahn als erster Hofmaler über die Flucht bis hin zu seinen letzten Lebensjahren, die er schwer erkrankt und beinahe taub in völliger Zurückgezogenheit verbrachte.

Goya gilt nicht nur als Vorreiter der Moderne, sondern auch für Realismus und Impressionismus. Er habe, so heißt es im Katalog der Ausstellung, "den Möglichkeitsraum der Künste des 19. und 20. Jahrhunders konturiert". Tatsächlich kann man den Theatraliker Goya mit seinem vielfältigen Werk wohl als Vorläufer von Realismus, Impressionismus, Expressionismus, Surrealismus und vieler anderer Stilrichtungen der Moderne sehen.

Finanziert wird die umfangreiche Ausstellung wieder von Peter Raue, dem Vorsitzenden des Vereins Freunde der Nationalgalerie, der schon die MoMa-Kunstwerke nach Berlin holte. Der Verein trägt auch die alleinige organisatorische Verantwortung. Die Gesamtkosten wurden auf rund zwei Millionen Euro beziffert. Für den Versicherungswert der enorm kostbaren Gemälde - rund eine halbe Milliarde Euro - hat der Bund die Haftung übernommen.

Laut Schuster wurde bereits 1992 mit den Bemühungen begonnen, eine Goya-Ausstellung nach Berlin zu holen. Hauptleihgeber ist der Prado, der 30 Gemälde zur Verfügung stellte und die wissenschaftliche Federführung für die Ausstellung übernahm. Darüber hinaus hätten eine Reihe von privaten Sammlern mit "viel, viel Charme" (Schuster) überzeugt werden müssen, ihre Bilder für die Ausstellung auszuleihen.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
alles aus der Rubrik Gesellschaft

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP