Von Daniel Haas
Natürlich ist er ein Superstar, ein Kritiker- und Publikumsliebling, Grimme-Preisträger, Ex-"Focus"-Kolumnist, Darling der "Bild"-Zeitung, Theatermime, Filmheld. Jetzt übt "Deutschlands Late Night King" (Pressemitteilung) als erster Moderator auch den Schulterschluss mit den neuen Medien, mit iTunes, um genau zu sein. Dort wird Schmidt ab heute jeden Dienstag einen Entertainment-Kommentar anbieten, als "iSchmidt" für 99 Cent pro Download.
Die wöchentliche Zusatzdosis für Ironie-Junkies wird, nimmt man die Erstausgabe als Maßstab, circa zehn Minuten lang sein und soll in der Welt der Unterhaltung Orientierung bieten: "Wer zieht gerade wo aus, bei wem ein und wer bleibt gut Freund mit wem, damit die Kinder nicht drunter leiden?"
Schmidt verspricht einen "luxuriösen Guide durch die Welt des Glamours und der Entziehungskuren, immer knapp unter dem Niveau des 'People Magazine'". Und weil das Publikum zu busy und erfolgreich sei, "um sich selbst mit den news, musts, to dos und vor allem has beens zu beschäftigen", nimmt Schmidt ihnen diese Arbeit ab.
Tatsächlich ist es Arbeit - sich diese zehn Minuten anzuhören. Schmidts kleine Tour durch die Niederungen des Boulevards hat den Charme eines mit Anzüglichkeiten garnierten Proseminarreferats. Da wird der Fall des unter Vergewaltigungsverdacht stehenden Andreas Türck ins Visier genommen; das Fazit lautet: "Sollten Sie in der Disco mit dem Satz 'Wollen wir Orgasmus trinken?' zu einer nächtlichen Spazierfahrt eingeladen werden, dann ist Vorsicht angebracht."
Es folgen Reflexionen zum ebenfalls der Vergewaltigung verdächtigten Rapper Snoop Dogg, der mit dem ehemaligen CEO der Chrysler Corporation, Lee Iacocca, Werbung für Luxusautos macht. Schmidt empfiehlt Jürgen Schrempp dasselbe zu tun, allerdings mit dem Berliner Raprüpel Bushido, den - so Schmidt - "ich bislang mit einer Kosmetikfirma verwechselt habe".
Abschminken allerdings muss sich der Dirty-Harry-Fan, dass der Maestro hier die gewohnt scharfsinnigen Pointen liefern wird: Das neue, mit einer Neocon-Kritik aufwartende Album der Rolling Stones, die sich die "letzten 500 Jahre aus der Politik rausgehalten haben"; Joschka Fischer, der als einziger Deutscher in die Garderobe von U2-Sänger Bono vorgelassen wurde; die Verflossenen von Boris Becker; Jennifer Aniston, die der Rückkehr von Brad Pitt entgegenschmachtet: Schmidt hakt die Meldungslage der bunten Seiten ab und macht sich vorzugsweise über Körperteile lustig. Die Lippen von Danielle Thoma, der Ex-Frau des früheren "RTL-Maskottchens Helmut Thoma", hätten bei einer Charity-Gala ausgesehen, als seien sie von einem Gynäkologen bearbeitet worden. Verona Pooth habe Lagerfeld bei besagter Party ihr Dekolleté gezeigt, als wolle sie sagen: "Die Implantate wieder rausnehmen."
Pennälerwitze also, Zotiges auf Stammtischniveau, Futter für Kulturpessimisten, die sich wohlig vorm schnöden Boulevard gruseln, ihn aber mit geheimer Gier nicht aus den Augen lassen. Die Themen, das weiß man, bleiben sich gleich: Skandale, Tratsch, Promis, Herzschmerz - es kommt auf den Mix und die Zubereitung an, und wer wäre hier berufener als Deutschlands amüsantester Zeitdiagnostiker.
Der Auftakt aber war wenig mehr als ein sehr freies Spiel der Assoziationen, dem ein Redigat von Gag-Schreibern durchaus gut getan hätte. Oder will das Ganze tatsächlich, wie die Nachrichtenagentur AP meldete, ein "Selbstgespräch" des Entertainers sein? Muss man sich Sorgen machen, weil er nicht Andrack und Kamera zur Zwiesprache hat? Wie gut, dass bald die Sommerpause vorbei ist.
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