Von Conny Neumann
Es ist endlich Sommer im Land. 28 Grad im Schatten, und man sieht viel nackte Haut im Englischen Garten in München. Studentinnen, die sich dort entblößen, gehören schließlich seit Jahrzehnten zu den Attraktionen der bayerischen Hauptstadt und dementsprechend scharen sich die Gaffer entlang des Eisbachs. Die Formen, mal üppig, mal mager, wie Gott sie eben schuf, das Bestaunen gratis.
Fünf Euro kostet es wenige Schritte weiter, doch die wollte noch niemand ausgeben: im Haus der Kunst räkelt sich seit heute "Baywatch"-Nixe Pamela Anderson auf 15 riesigen Plakatfotos des US-Promi-Fotografen Sante D'Orazio. Bislang vergebens, der Saal bleibt leer, ebenso wie die Champagner-Bar nebenan.
Im Eck säuselt ein amerikanisches Video. Darin sagen Pams Freunde, wie toll sie ist, jemand erklärt, wie Silikon-Polster sich anfühlen, ein blondierter Witzbold im Muskelshirt verkündet: "Life is good!" Doch das Leben in München ist eben anders, Biergärten locken, Eiscafés, aber sicher kein Museum, nicht einmal mit der nackten Pam.
Dabei hat sich Sante D'Orazio wirklich bemüht, aber, so liest man, die Zeit war knapp. Nur einen Tag legte sich die "American Icon" vor seine Linse, vielleicht auch deshalb die immer gleiche Pose: Brust raus, Bauch rein, High Heels, wilde Mähne, halb offener Mund. Meistens gar nichts an, mal ein knappes schwarzes Höschen, mal einen durchsichtigen Regenmantel in Pink. Ein Blick wie aus der "Ruf-mich-an"-Werbung, zwar erotisch aber irgendwie nicht ganz von dieser Welt.
Dazwischen ließ der Künstler Jeff Koons an die Wand schreiben, dass er immer an einen signierten Baseball denken muss, wenn er Pam sieht. Nicht wegen der prallen Silikon-Brüste der Schönen, wie man nun glauben möchte, nein, Koons hat diesen Baseball wirklich gesehen, bei eBay, und Pam hat ihn gehalten wie Eva den Apfel.
All das also haben die Münchner bisher verpasst, und nun nur noch bis 15. September Zeit, um das blonde Gesamtkunstwerk aus Übersee zu bestaunen. Es sei denn, man investiert 98 Euro in den Fotoband - handsigniert vom Künstler. Der lässt sich dann auch bei schlechtem Wetter genießen. Das Anderson-Geheimnis, das D'Orazio verspricht, enthüllt aber auch er nicht wirklich.
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