(37, HipHop-Musiker, Die Fantastischen Vier):
"Das Wahlergebnis ist ein Desaster für Angela Merkel. Ich habe mich sehr gefreut für Gerhard Schröder und die SPD. Ich hätte niemals gedacht, dass die Sozialdemokraten fast noch die magischen 35 Prozent schaffen würden. Ich hatte die Partei schon in der Opposition gesehen. Das Ergebnis ist erstaunlich und zeigt, dass die Leute sich ihren eigenen Kopf machen und nicht den Meinungsumfragen hinterher laufen. Die CDU hat es im Wahlkampf geschafft, ihr Profil völlig zu zerreden. Aber ich würde jetzt gerne Schwarz-Rot mit Merkel als Kanzlerin sehen. Mir fällt es schwer, an eine Jamaika-Koalition zu glauben."
Martin Sonneborn (40, "Titanic"-Chefredakteur, Vorsitzender der satirischen PARTEI):
"Niemand hat die Absicht, eine Regierung zu bilden! Ich höre immer nur von Wahlgewinnern, aber der einzige Wahlsieger ist doch klar: Die PARTEI! Wir sind angetreten, um das Schröder-Regime zu stürzen - und die SPD ist am Ende. Wir wollten verhindern, dass das Merkel Kanzler wird - und das Merkel kann nicht Kanzler werden. In Berlin haben wir knapp ein Prozent der Stimmen bekommen. Das ist unser bestes Ergebnis seit Kriegsende!"
Tanja Dückers (36, Schriftstellerin):
"Ich habe mich sehr gefreut, dass Schwarz-Gelb keine Mehrheit bekommen hat. Die Union und besonders die FDP haben Vorstellungen vom Kulturbetrieb - weniger Subventionen, mehr Firmen-Sponsoring und "Privatinitiativen" -, die die freie Entfaltung der Kunst, gerade der nicht etablierten, behindern beziehungsweise in unguter Weise beeinflussen würden. Aber ich bin sehr enttäuscht, dass sowohl die FDP als auch die populistische Linkspartei die Grünen überrundet haben. Die Grünen hätten stärker sein können. Ich wünsche mir zwar keine Rot-Rot-Grüne Koalition, hoffe aber, dass sich die Linke innerhalb ihres Spektrums einander annähert - wäre das früher geschehen, gäbe es jetzt nicht diese Patt-Situation. Erschreckend finde ich im Übrigen, dass die NPD so viele Stimmen bekommen hat. Darüber ist zu wenig gesprochen worden. Aber ihr gehört der Löwenanteil unter den Sonstigen."
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