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09.11.2005
 

TV-Serie "Alles außer Sex"

Brav trotz Beischlaf

Von Marianne Wellershoff

Frauen sind schwierig, Männer bedürftig und sexgeil. Wem dies an psychologischer Einsicht ausreicht, der kann heute Abend einschalten: bei der neu startenden ProSieben-Serie "Alles außer Sex". Der Titel ist übrigens irreführend: Sex gibt es en masse - ungefähr in jeder vierten Szene.

Gut, München ist nicht New York. Und deshalb ist die neue Pro-Sieben-Serie "Alles außer Sex" (Start: Mittwoch, 20.15 Uhr) auch nicht "Sex and the City". Ansonsten aber geht es um dasselbe: Vier Frauen suchen Männer fürs Leben und finden sie nicht, weil es natürlich keine perfekten Männer gibt, sondern nur Kompromisse. Da die Frauen sich selbst aber keineswegs als Kompromiss fühlen, können sie sich auch auf keinen einlassen.

Mit "Alles außer Sex" geht nach fünf Jahren erstmals wieder eine Serie auf Sendung, die ProSieben selbst entwickeln ließ - statt ein Format in den USA einzukaufen. "Ein Innovationsschub in der deutschen Serienlandschaft war überfällig", hatte Christian Balz, Leiter "Deutsche Fiction" bei Pro Sieben, vor einiger Zeit ehrgeizig verkündet. Und außerdem angemerkt, dass die Lebenswelt der Zuschauer sich in den Serien wiederfinden solle.

Die Lebenswelt der Zuschauer heißt demnach: Die vier weiblichen Hauptfiguren Minza (Annette Frier), Frenzy (Miranda Leonhardt), Edda (Simone Hanselmann), Valerie (Rhea Harder) haben interessante Berufe wie Völkerkundlerin oder Werbefotografin und ein chaotisches Privatleben.

Minzas Tochter wächst beim Vater auf, weshalb Minza auch ungestört die Männer wechseln und zu Hause angemessenes Orgasmus-Stöhnen üben kann. Edda hat sich dem Kommune-1-Motto angeschlossen "Wer zwei Mal mit demselben pennt, gehört schon zum Establishment" und lehnt daher die Kombination Sex und Liebe ab. Frenzy torkelt von Mann zu Mann und landet bei einer Frau. Valerie, als Einzige verheiratet, leidet unter einer Reihenendhausneurose. Alles ganz normale Frauen also. Und auf jeden Fall: In mindestens jeder vierten Szene gibt es bei "Alles außer Sex" was? Sex.

In den einzelnen Episoden geht es dann um so lebenswichtige Fragen wie: Wie hält man es aus, dass der neue Freund einzieht und seine Lavalampe und seinen Fußballsitzsack mitbringt? Und dass er, aus ökologischen Erwägungen, dauernd das Licht in der Küche ausschaltet? Wie wird man mit der Tatsache fertig, dass der Mann morgens Sex haben will und die Frau lieber nachmittags? Und ist eine lesbische Beziehung die Lösung, wenn Beziehungen mit Männern stets im Desaster endeten?

Egal, eine "Dramedy", wie das Format heißt, ist keine Dokumentation, sondern ein lustiges Drama oder eine dramatische Komödie, je nach Perspektive. Und sowieso glauben viele Fernsehschaffende, dass der Dokuboom im Grunde vorbei ist. "Alles außer Sex" will in der Hauptsache unterhaltsam und amüsant sein, und, ehrlich gesagt, man ist ja als Zuschauer schon glücklich, wenn nicht immer dieselben Schauspieler wie Michael Roll oder Claudia Michelsen durch die immer gleichen Serien und Fernsehspiele stapfen.

Mit der Auswahl der Darstellerinnen (zwei von ihnen haben bei "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" angefangen, zwei kommen schon eher aus dem sogenannten Charakterfach) und der Verpflichtung des Regisseurs Peter Gersina ("Mädchen, Mädchen") hat ProSieben immerhin Willen zur Abweichung gezeigt. Das ist schon mal ein Pluspunkt.

Aus emanzipatorischer Sicht kommt in der Serie natürlich die Karriere der Frauen zu kurz, und, klar, ihre Intelligenz auch; andererseits sind aber die Männer noch blöder, dümmer, eitler, und vor allem, viel verzweifelter auf der Suche nach der Frau fürs Leben. Die Männer sind in "Alles außer Sex" die Bittsteller, die emotional Bedürftigen, und die Frauen sind beziehungsscheu. Das ist das eigentlich Lustige an der Serie.


"Alles außer Sex", ProSieben, Mittwoch, 9. November, 20.15 Uhr

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