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25.11.2005
 

"Wer wird Millionär?"

Queen Harald und die Knete

Von Christian Stöcker

Viele Prominente, noch mehr Fragen, ein guter Zweck und die Queen der deutschen TV-Moderatoren: Die gestrige Deluxe-Ausgabe von "Wer wird Millionär?" mit Harald Schmidt geriet zur gutgelaunten Wissensshow der Großverdiener.

Es ist ein bisschen, als sei die Queen zu Besuch. Alle versuchen so zu tun, als sei alles ganz normal, Prominentenquiz halt, wir sind unter uns. Aber in Wahrheit schielen alle in seine Richtung. Was macht er, lacht er, weiß er schon die Antwort? Findet er mich cool?

Rate-Promis Schmidt, Jauch: Reich an Humor - und auch sonst
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DPA

Rate-Promis Schmidt, Jauch: Reich an Humor - und auch sonst

Harald Schmidt ist sich der allseitigen Aufmerksamkeit bewusst, die ihm als heimlichem Stargast bei der Prominenten-Ausgabe von "Wer wird Millionär?" (gestern Abend, 20.15) zuteil wird. Die Kamera verweilt öfter bei ihm als bei Topmodel Eva Padberg, und die ist nun wahrhaftig attraktiver.

Zuerst ist aber ohnehin mal Jürgen Rüttgers dran. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen ist für seine Verhältnisse immens locker, vielleicht auch deshalb, weil er auf den Fragestuhl kommt, indem er die "Vier Akte des Stoibertheaters" am schnellsten in die richtige Reihenfolge bringt (nach Berlin, Ministerium zu klein, Münte geht, zurück nach München). "Das ist natürlich der Profi" sagt Günther Jauch, und Rüttgers freut sich.

Die ersten Fragen meistert er hochkonzentriert, bellt die Antwortbuchstaben ohne weitere Ausführungen hinaus ("B!"), obwohl das unter Normalbedingungen eigentlich verboten ist. Man will ja auch ein bisschen wissen, was die Kandidaten so denken.

Lauern auf die Peinlichkeit

Aber nicht nur die Kandidaten, auch die Zuschauerregeln sind beim Prominentenraten ein bisschen abgewandelt: Während man mit Otto Realschullehrer mitfiebert, ob er jetzt genügend Geld für die Heimsauna zusammenbekommt, lauert man bei den Profis auf die Peinlichkeit. Rüttgers liefert die schon unterhalb von 500 Euro: Bei der Frage, was Reinigungskräfte nach Feierabend mit nach Hause nehmen, schließt er die Klobürste zwar aus - weiß aber nicht, dass der Frontallappen ein Teil des menschlichen Gehirns ist und deshalb eher nicht im Putzschrank zurückbleibt.

Bei der Frage nach einer olympischen Merkwürdigkeit (Antwort A: Laufen ohne Schuhe) hilft Schmidt bereits zum ersten Mal mit "Aaaah, das ist ja jetzt nicht so schwer." Rüttgers sagt: "Das ist ja ein intelligenter Mann, hat man mir gesagt, der Harald Schmidt."

Dann geht es um ein Nationalteam, das nie die Fußball-WM gewonnen hat. Rüttgers ist ratlos, Schmidt rät aus dem Hintergrund, lieber Dieter-Thomas Heck als ZDF-Nachrichtenmann Peter Hahne anzurufen ("Der weiß das nie"). Jauch lässt das Publikum über den Telefonjoker abstimmen, Schmidt unterhält die Runde mit Heck-Parodien, der coole Classenclown in seinem Element. Tatsächlich weiß Heck die Antwort (Portugal). Alle freuen sich gemeinsam, und Schmidt klatscht in Queen-Manier: mit angehobenen Ellenbogen und einem freundlich-ungerührten Altedamenlächeln im Gesicht. Bei 125.000 Euro steigt Rüttgers aus, weil er nicht sicher ist, ob großohrige südamerikanische Tiere wirklich "Eselhasen" heißen.

Eva Padberg setzt sich mit Matthias Platzeck in die Nesseln. Wer das sei, fragt sie Jauch. Als der sie sanft über die neuen Machtverhältnisse in der SPD aufklärt, erinnert sie sich dann aber doch und findet den Stoppelbart des neuen Vorsitzenden sogar ganz schick. Ansonsten verwirrt sie den Moderator mit ihrem Dekolleté, zeigt ihre schönen Zähne und macht tolle Sachen mit den Augen - dazu ist sie schließlich eingeladen. Mit ein bisschen Hilfe von Schmidt - er kann das Vorsagen nicht lassen - kommt auch sie auf 125.000 Euro.

Tine Wittler, Autorin und Fernsehmoderatorin ("Einsatz in vier Wänden"), leistet sich keine Peinlichkeit. Sie marschiert souverän bis 125.000 Euro durch und steigt dann aus. Schmidt lässt von hinten wissen, dass er die Antwort hätte geben können - Gasherbrum I und II sind Achttausender im Himalaja.

Schmidt zahlt (sich) aus

Dann kommt er endlich dran. Erst wird ein bisschen über seinen letzten Auftritt vor fünf Jahren gewitzelt, als er auf 32.000 D-Mark zurückgefallen war, weil er nicht gewusst hatte, das "Fakir" ursprünglich "arm" heißt.

Dann laviert sich Deutschlands Chef-Ironiker durch den Fragenparcours, so richtig glänzen kann er aber nicht. Weil er zum Beispiel nicht weiß, was "Bedecktsamer" sind, da muss er sich von Padberg helfen lassen. Dass dies kein glänzender Auftritt ist, weiß er natürlich und bringt es gleich selbst zur Sprache: "Ich wär' als normaler Kandidat schon längst rausgeflogen."

Im weiteren Verlauf machen Jauch und Schmidt vor allem eins klar: Dass sie die reichsten im ganzen Studio sind. Sie witzeln über ihr Einkommen, unterhalten sich über Börsenkurse, und als es an die 500.000-Euro-Frage geht, bietet Jauch einen Deal an. Wenn die Antwort, die beide für richtig halten, falsch sein sollte, zahlt jeder die Hälfte des Verlusts aus eigener Tasche an die RTL-Stiftung "Wir helfen Kindern", der der Abend zugute kommt. Mit Rudi Carrell habe er das auch schon mal so gemacht. Schmidt überlegt kurz, sagt dann: "Ich mach's allein."

Zum Glück stimmt es aber, dass Inge Meysel elfmal den Leserpreis der Jugendzeitschrift "Bravo" bekommen hat (Jauch hatte zuvor eine vorschnelle Falschantwort - Heinz Rühmann - verhindert). Das Nighttalker-Konto bleibt unangetastet. Als es dann um die Million geht und die Insignien in den Händen des österreichischen Bundesadlers, will dann doch keiner der beiden mehr mit eigenem Geld Gewinne absichern. War auch besser so: Wirklich keiner der Kandidaten hätte gewusst, dass das Wappentier des Alpenstaates ausgerechnet Hammer und Sichel bei sich trägt. "Die Ösis sind eben die besseren Ossis", witzelt Schmidt zum Abschied.

Komiker Martin Schneider hat im Hintergrund schon die ganze Zeit herumgezappelt und mit bewundernswerter Kondition seine "Ich-bin-ein-bisschen-doof"-Grimassen durchgehalten. Jetzt kommt er endlich dran, grimassiert weiter, witzelt sich dann aber doch ganz entspannt bis auf 125.000 Euro hoch, souveräner als mancher vor ihm. Aber die Hälfte der Zuschauer hat im Zweifelsfall ohnehin schon ins Erste weitergeschaltet, für ein bisschen mehr Schmidt - der in seiner eigenen Sendung den Rateerfolg übrigens unerwähnt lässt.

Am Ende ist eine Million zusammengekommen für die RTL-Stiftung, alle kommen auf die Bühne und freuen sich - nur Queen Harald steht steif und ein wenig abseits. Vielleicht ist es doch langsam ein bisschen einsam im Palast der Deluxe-Prominenz.

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