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20.04.2006
 

Gefälschte Fälschungen

Kujau-Museum vor dem Aus

Gestern wurden in Dresden 500 angebliche Kujau-Originale entdeckt.  Eine 48-jährige Frau hatte die Gemälde mit dem Siegel des bekannten Kunstfälschers versehen, doch vermutlich sind alle gefälscht. Das Museum, das die mutmaßliche Betrügerin betreibt, steht nun vor dem Aus.

Pfullendorf/Dresden  - Die 48 Jahre alte Dresdnerin, die das Kujau-Museum im baden-württembergischen Pfullendorf leitet,  soll mit gefälschten Konrad-Kujau-Originalen gehandelt haben, wie die Staatsanwaltschaft Dresden mitteilte.

Konrad Kujau: Gefälschter Fälscher  
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DPA

Konrad Kujau: Gefälschter Fälscher  

Mehr als 500 Ölbilder habe die Frau verkauft. Urspünglich kämen die Bilder aus Fernost, aufbewahrt habe die 48-Jährige in einem Lager in Dresden. Die Museumschefin habe die Gemälde nur noch mit dem Signet des berühmten Fälschers versehen, so die Polizei. 

Die gefälschten Bilder wurden nach Polizeiangaben von mehr als 380 Käufern aus dem In- und Ausland erworben. Die Werke gingen unter anderem nach Schweden, Frankreich und Österreich. Einzelne Gemälde erzielten Preise bis zu 3500 Euro. Der Gesamtschaden liege bei 550. 000 Euro. Die Polizei war von einer frühere Kujau-Schülerin, die nach mehreren Auktionen im Internet Verdacht geschöpft hatte, auf den Betrug aufmerksam gemacht worden.

Die mutmaßliche Fälscherin der Fälschungen gibt sich als Nichte Konrad Kujaus aus. "Wir können aber nicht klären, ob sie wirklich eine Verwandte ist", sagte ein Sprecher der Polizei Dresden.

Die Stadt Pfullendorf zog schnelle Konsequenzen aus dem Verdacht und löste als Eigentümerin des Museums-Hauses den Mietvertrag mit der Betreiberin nach Auskunft von Bürgermeister Heiko Schmid zum Monatsende auf. Schmidt geht davon aus, dass auch im Museum falsche Kujaus hängen: "Wir sind selber auch betrogen worden."

In dem Pfullendorfer Museum waren 70 Werke Kujaus zu sehen. Das Museum war in seiner einzigen Saison nur von Mai bis September geöffnet, weil das Fachwerkhaus aus dem 14. Jahrhundert keine Heizung hat.

Konrad Kujau hat zahlreiche Künstler kopiert, darunter Renoir und Picasso. Berühmt wurde er jedoch durch einen Skandal:  Zwischen 1978 und 1983 drehte er dem "Stern"-Reporter Gerd Heidemann gefälschte Hitlertagebücher an, die das Magazin dann veröffentlichte. 

Seit den 80er Jahren betrieb Kujau, der aus der Oberlausitz stammte, eine Galerie mit seinen "Neuinterpretationen" berühmter Bilder in Stuttgart. Daneben betätigte sich der gelernte Kunstmaler als Gastronom. 1996 kandidierte er bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart und gewann 901 Stimmen. Im Jahr 2000 starb Kujau an Krebs

anr/dpa

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