Aus ihrer Geschichte haben die Deutschen gelernt, wie wichtig Toleranz, Weltoffenheit und der Schutz gesellschaftlicher Minderheiten sind. Dabei schießen wir manchmal vielleicht ein ganz klein wenig über das Ziel hinaus. Ob Lichterketten oder die Moderation der WM-Auslosung durch Heidi Klum in englischer Spache: Das Gutmenschentum wird brutalstmöglich durchgesetzt. Hinter der pädagogisch aufgepeppten Fassade des Mahnens und Warnens lauert eine political correctness, die jeden Widerspruch mit ätzender Pseudoironie plattmacht. Früher manifestierte sie sich auf Flugblättern, die in Kommunen und Teestuben hektographiert wurden. Mittlerweile wird auf den Flugisfür Happy Hoursund Möbelsonderangebote geworben. Die Betroffenheitskultur aber ist gesellschaftlicher Konsens und überall präsent. Zum Beispiel auf diesem Hinweisschild für einen Behindertenparkplatz in einer süddeutschen Stadt: „Hier parkt das Auto eines Behinderten oder eines absolut rücksichtslosen, moralisch verkommenen Individuums.“
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