Berlin - Liest man die Mitteilung des Starmoderators Günther Jauch vom vergangene Freitag, fühlt man sich an eine Kampagne aus der Süßwarenbranche erinnert. "Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix", hieß es damals. Ganz ähnlich soll es nach Willen von Jauch wohl auch bei seiner Übernahme des Talksessels von Sabine Christiansen am ARD-Sonntag gehen. Man sei sich über den Wechsel einig, ließ Jauch mitteilen, und: "An meiner Tätigkeit für RTL ändert sich aus meiner Sicht nichts". Alles soll also beim Alten bleiben.
Doch schon einen Tag nach der spektakulären Ankündigung des millionenschweren Moderators ("Wer wird Millionär", "Stern-TV", Sportmoderation bei RTL, "Die Fünf-Millionen-SKL-Show", "Menschen, Bilder, Impressionen" und viele andere Sondersendungen) regt sich Widerstand. Die Kritiker bewegt nicht so sehr die TV-Tätigkeit des ehemaligen Radiomanns. Vielmehr sorgt Jauchs allseits präsentes Gesicht in der Werbung für mahnende Worte - auch innerhalb der ARD.
Jauch soll die lukrativen Werbeverträgen (vor allem die Lotterie SKL und die Krombacher-Brauerei) vor dem Wechsel zur ARD auflösen, so die Mahnungen. Der stellvertretende Vorsitzende des NDR-Verwaltungsrats, Wulf Schulemann, forderte in der "Bild am Sonntag "dieselben strengen Maßstäbe wie für Sabine Christiansen und Ulrich Wickert". NDR-Verwaltungsrätin Dagmar Pohl-Laukamp sieht das ähnlich: "So sehr ich Herrn Jauch schätze, eine Extrawurst darf es für ihn nicht geben".
Reinhard Grätz, Vorsitzender des WDR-Rundfunkrats, hielt sogar ein Scheitern der Verhandlungen für möglich - wohlgemerkt, bevor diese überhaupt begonnen haben. "Wenn Herr Jauch nicht ganz klar und rechtsverbindlich erklärt, dass er auf jede Form von bezahlter Werbung verzichtet, wird das nichts", sagte er der "BamS".
In der Tat könnten die Werbeverträge Jauchs ein Problem werden. Gerade nach dem Fall des ZDF-Talkers Johannes B. Kerner sind die Oberen in den Gremien der durch Zwangsabgaben finanzierten Sender alarmiert. Kerner hatte beispielsweise für den Aktiengang von Air Berlin geworben. Kritiker warfen ihm vor, das Image des ZDF für die Werbung zu missbrauchen und sogar in der Sendung indirekt für die Aktie zu werben. Die Folge waren das Ende der Kampagne und strenge Auflagen für alle Moderatoren. Sie müssen sich nun jede Reklame genehmigen lassen.
Selbst WDR-Intendant Fritz Pleitgen, der laut mehreren Zeitungen aktiv an dem Jauch-Deal beteiligt war, äußerte erste Zweifel an den Werbeverträgen seines neuen Stars. "Eine Politiksendung und Werbung, das verträgt sich schlecht. Wir hatten schon vor kurzem in zwei prominenten Fällen Situationen, die nicht zu akzeptieren waren. Wir sind sensibilisiert", so Pleitgens noch recht allgemeine Aussage.
Ob Günther Jauch sich auf ein Werbeverbot einlassen würde, ist schwer abzuschätzen. Auf der einen Seite ist zu hören, dass er seit langem vom Unterhaltungsfach in die seriöse Ecke der Politik will und deshalb schon oft mit den öffentlich-rechtlichen Sendern gesprochen hatte. Gleichwohl gilt Jauch als gerissener und zäher Verhandler, wenn es ums Geld geht. Diese Hartnäckigkeit hat ihm bisher Millionengagen und eine gewaltige Bildschirmpräsenz gesichert. Dass der Sonntag überhaupt noch frei war, ist für die ARD ein Glücksfall.
Jauch selber wollte sich am Wochenende nicht zu der Diskussion über seine Werbeeinnahmen äußern. Vielleicht nimmt er sich ja ein Beispiel an seiner Vorgängerin Sabine Christiansen. Die hatte ihre Prominenz stets für die gute Sache genutzt und war als Unicef-Botschafterin in der ganzen Welt unterwegs. Gegen eine solche Werbung hätte die ARD sicherlich nichts einzuwenden.
mgb/dpa/AP/ddp
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