Von Daniel Haas
Hat Hugh Hefner Angst, man könnte seine Männlichkeit in Frage stellen, wie damals, in den fünfziger Jahren, als der Typus des alleinlebenden, kultivierten Junggesellen im Verdacht stand, homosexuell zu sein? Für sie, die Bachelors, die nicht jagen, fischen, Häuser bauen und Familien gründen wollten, sondern Jazz, Mode und Literatur genossen, hatte er es ja geschaffen: das intelligente Herrenmagazin "Playboy", eine Testosteron-Kur mit Stil für den modernen Dandy.
Muss er also heute, nach zwei Ehen und angeblich über 1000 Affären, seine geschmackvolle Selbstgenügsamkeit immer noch mit "Bomb Shells" dekorieren, jenen Frauen, die die Männerphantasien explodieren lassen, wasserstoffblonde Bomben der imaginierten Lust?
Wenn man ihn jetzt, in Vivas neuer Dokusoap "The Girls of the Playboy Mansion", so sieht, in seiner barocken Schlafzimmergruft, eingepackt in ein Riesenbett, vor sich die Heimkinoleinwand, um sich herum Stapel von Büchern und Zeitschriften, entsteht der Eindruck, dass Hefners legendäres Konkubinat, sein Zusammenleben mit mal vier, dann sieben, jetzt nur noch drei Frauen tatsächlich ein Feigenblatt ist vor der Bescheidenheit des Greises. So lässt sich's alt werden, sagen diese Bilder: in einer platonischen Höhle der Popkultur, in die die Welt per Projektionen eingespeist wird, umgeben von Literatur und Kunst, umsorgt von einem Dutzend Dienstboten, eine Gentleman-Geriatrie auf höchstem Niveau.
Aber eine Hefner-Homestory ohne Bunnys wäre so sinnlos wie eine Osbourne-Folge ohne Kelly oder eine Stippvisite bei Hulk Hogan unter Ausklammerung des Fitness-Raums. Schöne, vorzugsweise blonde Frauen sind immer die Accessoires von Hefners Lebensstil gewesen, Insignien der Potenz und mehr das Versprechen auf maßloses Vergnügen als dessen Verwirklichung. Er, der Zögling aus protestantischem Hause, ausgestattet mit einem IQ von 152 und einem untrüglichen Gespür für die perfekte Mischung von Kurven und Kultur, präsentierte bis in die Neunziger seine Mansion als Tempel der Hemmungslosigkeit, auch wenn die Hochzeit der Swingerfreuden spätestens Mitte der Achtziger, mit Reagan und seiner Pornografie-Kommission, ein Ende fand.
Ausbildungsberuf Konkubine
Der WG-Bericht von Hefners Zusammenleben mit Holly, Bridget und Kendra inszeniert eine andere Geschichte: nicht mehr den dekadenten Roman einer Party-Hautevolee, die sich zwischen Pool, Pfauen und Liebesgrotten dem dolce far niente hingibt, sondern den Testbericht einer menage à quatre, die auf der Kreuzung von Hedonismus und Leistungsethik basiert. Die drei Frauen sind nämlich nicht nur Finalistinnen der libidinösen Karriere des mittlerweile 80-jährigen Hefner: Bridget hat einen Magister in Kommunikationswissenschaft, Kendra macht eine Ausbildung zur Massage-Therapeutin, Holly organisiert den Haushalt, der ein Dutzend Haustiere und zahllose Dienstboten umfasst.
Disziplinierter lässt sich das Mätressendasein nicht gestalten: Zwischen Friseur- und Workout-Terminen müssen Gäste begrüßt, Photoshootings betreut und Speisepläne erstellt werden. Das Idealbild der Ehe, weniger als moralische Einrichtung denn als Versorgungszusammenhang, der das Wohlbefinden eines Kollektivs absichert, hier nimmt es noch einmal vollbusig Gestalt an. Spätestens wenn Holly ihre Schoßhündchen mit "Komm zu Mama!" anlockt, wird klar, dass in Hefners Heim der kinderlose Eskapismus der sechziger, siebziger und achtziger Jahre nur noch als Echo ideolologisch ferner Zeiten existiert. Konkubine als Ausbildungsberuf, Bunny mit Mutterinstinkt.
Wenn es für die Frauen eine Kränkung gibt, dann nicht die, letztlich ein Hefner-Produkt zu sein, sondern nicht ganz Objekt des männlichen Blicks zu werden. Alle drei träumen von der Karriere als Playmate, am schönsten wäre ein Platz im Centerfold, im doppelseitigen Mittelteil des Blatts, dort, wo Marilyn Monroes Karriere als Sexsymbol begann. Bridget, die Geisteswissenschaftlerin, spricht von einem Playboy-Cover wie vom heiligen Gral der Selbstermächtigung. Wer dort gezeigt wird, zeigt es allen - vor allem sich selbst. Ganz werden in dieser Kultur der Zurschaustellung und Rundumvermarktung heißt sich zerstreuen als mediale Reproduktion, als Abziehbild der Lust.
Warhol, dessen Hefner-Porträt die Kamera gleich zu Beginn stolz in den Blick nimmt, hätte seine helle Freude an dieser Konstellation gehabt: Drei Marilyns spielen Krankenpflege und warten auf ihre Zurichtung zum Phantasma der Popkultur. Und Opa Hefner kann in Ruhe das Altwerden genießen, weiß er doch, dass Bridget, Holly und Kendra seinen Mythos mit viel Sex-Appeal und noch mehr Eifer jeden Tag neu beleben.
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