New York - Wie das Unternehmen New York Times Co. heute auf seiner Internetseite ankündigte, soll die ehrwürdige Zeitung ab Mitte 2008 in einem um rund 1,5 Zoll (rund vier Zentimeter) schmaleren Format erscheinen. Mit der Umgestaltung ist ein Verlust von 250 Arbeitsplätzen in der Produktion verbunden, teilte der Verlag mit. Der Druck der Printprodukte soll künftig von einer Druckerei im Stadtteil Queens übernommen werden, eine andere, ebenfalls zum Konzern gehörende Druckerei in New Jersey soll vermietet werden. Durch die Konsolidierung werden die 250 Jobs eingespart, insgesamt arbeiten rund 800 Angestellte im Produktionsbereich des Verlags.
Der Konzern, zu dem auch der "Boston Globe", die "International Herald Tribune" sowie 15 andere Zeitungen, mehrere Fernseh- und Rundfunksender sowie zahlreiche Web-Sites gehören, gab die einschneidenden Veränderungen kurz nach seiner Vierteljahresbilanz bekannt. Er erhofft sich durch die Reduzierung der Papierkosten und niedrigere operative Ausgaben Einsparungen von bis zu 42 Millionen Dollar. Verschiedene andere großformatige US-Zeitungen, darunter die "Washington Post", die "L.A. Times" und "USA Today" haben in den vergangenen Monaten bereits ähnliche Formatverkleinerungen vorgenommen. Konzernchefin Janet L. Robinson erklärte laut dpa, Untersuchungen hätten gezeigt, dass vor allem jüngere Leser und Pendler die kleineren Maße bevorzugten. Durch die schmaleren Seiten, sie schrumpfen von derzeit 54 Zoll auf 48 Zoll Breite, verliert die Zeitung rund 11 Prozent Inhalt.
Das sei zu viel und zu drastisch, sagte Chefredakteur Bill Keller in einer Mitteilung auf der Website des Blattes. Um den drohenden Platzverlust aufzufangen, werde man die Seitenzahl erhöhen. Mit den dann erreichten fünf Prozent inhaltlicher Verringerung könne man "ganz gut leben", sagte Keller, kündigte aber auch an, dass der schmalere Platz kürzere Texte und News-Zusammenfassungen mit sich bringen könnte. Ein harter Schlag für die Zeitung, die für ihre ausführlichen und langen Artikel bekannt und berühmt ist.
Mit Blick auf die Krise der Print-Branche sagte Keller, es sei schmerzhaft, eine Industrie im Niedergang zu betrachten. Die von der "Times" beschlossenen Maßnahmen seien jedoch notwendig, um das wirtschaftliche Überleben der 1851 gegründeten Zeitung zu sichern. Alternativ hätte man Redaktions-Personal entlassen oder Auslandsbüros schließen müssen.
Der Gewinn der New York Times Co. hat im zweiten Quartal 2006 stagniert. Der Medienkonzern verdiente 61,3 Millionen Dollar, das sind 42 Cent pro Aktie. Der Umsatz legte zwar um 1,6 Prozent auf 858,7 Millionen Dollar zu, teilte das Unternehmen mit. Der Umsatz belief sich im ersten Halbjahr auf 1,7 Milliarden Dollar, 2,4 Prozent mehr als in der entsprechenden Vorjahreszeit. Der Halbjahresgewinn fiel jedoch um 44 Prozent auf 96,3 Millionen Dollar oder 0,66 Dollar je Aktie. 2005 waren es 1,17 Dollar.
bor/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH