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28.07.2006
 

TV absurd

Papst von früh bis spät

So kann man Parallel-Übertragungen auch vermeiden: Weil ARD und ZDF sich nicht auf einen gemeinsamen Sendetermin des gemeinsam geführten Papst-Interviews einigen konnten, kann man am 13. August nun zweimal dasselbe Interview sehen - zu unterschiedlichen Zeiten.

München - Früher, bevor sich die ganze Republik über die gebührenverschwenderischen Parallel-Übertragungen von königlichen Hochzeiten oder fürstlichen Beerdigungen erregt hat, schickten ARD und ZDF ihre teuren Aufnahmeteams immer gerne zu gesellschaftlichen Großereignissen und übertrugen beinhart alles nebeneinander live.

Papst Benedikt XVI: Erst in der ARD, dann im ZDF
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AFP

Papst Benedikt XVI: Erst in der ARD, dann im ZDF

Doch nun hätte ausnahmsweise alles anders kommen können: Im Hinblick auf die bevorstehende Reise von Papst Benedikt XVI nach Bayern (9. bis 14. September) gewährte man den öffentlich-rechtlichen Sendern eine Audienz für ein gemeinsames Interview. Das Gespräch mit dem katholischen Kirchenoberhaupt wird am 5. August in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo aufgezeichnet. Für das ZDF stellt Programmdirektor Thomas Bellut Fragen, für die ARD Gerhard Fuchs, Fernsehdirektor des Bayerischen Rundfunks. Zur Fragerunde werden auch Pater Eberhard von Gemmingen, der Chef der deutschen Abteilung von Radio Vatikan, und ein Vertreter der Deutschen Welle gehören. Für die Aufzeichnung sind nach Angaben von Fuchs rund 60 Minuten vorgesehen.

Gebündelte Kräfte, wie schön. In diesem Fall wäre ein paralleler Sendetermin sogar sinnvoll gewesen, aber diesmal fehlt vom Mut zum zeitgleichen Einheitsprogramm jede Spur. Stattdessen herrscht der übliche Quotenkrieg. Man habe es nämlich nicht geschafft, sich auf eine zeitgleiche Ausstrahlung zu einigen, sagte ARD-Programmdirektor Günter Struve heute. Also werden ARD und ZDF ihr gemeinsam geführtes und gefilmtes Interview am 13. August zu unterschiedlichen Uhrzeiten ausstrahlen. TV absurd.

Das ZDF habe als Sendetermin den 13. August um 22 Uhr festgelegt. Dieser Zeitpunkt entsprach jedoch nicht den Vorstellungen der ARD, die daraufhin entschied, das Papst-Interview bereits um 19.15 Uhr auszustrahlen, also knapp drei Stunden früher als die Mainzer. "Ziel von uns war nie eine zeitgleiche Ausstrahlung, es handelt sich ja nicht um eine Live-Sendung", sagte ZDF-Sprecher Alexander Stock. Und es sei sogar im Interesse der Zuschauer, das Interview zeitversetzt zu senden. "So hat der Zuschauer die Auswahlmöglichkeit, ob er die Sendung am Vorabend oder in der Prime-Time sehen will."

bor/dpa

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