Hamburg - Als vor knapp zwei Wochen in Schwerin eine Werkschau über den Bildhauer Arno Breker eröffnet wurde, monierten viele Kritiker den fehlenden Zugang zum Archiv des Bildhauers. Es hätte Aufschluss geben können über die wahre Gesinnung des umstrittenen Nazi-Günstlings, der sich bis zu seinem Tod nie öffentlich von der Rolle, die er im Dritten Reich spielte, distanziert hat. Doch seine Witwe hält alle Unterlagen des 1991 mit 90 Jahren verstorbenen Lieblingsbildhauers Adolf Hitlers hartnäckig unter Verschluss.
Nun ist der "Stern" in der Breker-Recherche offenbar einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Wie das Magazin in seiner neuesten Ausgabe meldet, unterhielt der umstrittene Künstler bis ins hohe Alter zahlreiche Kontakte ins rechtsextreme Milieu.
Danach nahm Breker in den siebziger Jahren den Goldenen Ehrenring des "Deutschen Kulturwerkes Europäischen Geistes" (DKEG) entgegen. Diese Organisation war 1950 von einem ehemaligen SA- und NSDAP-Funktionär zur weiteren Förderung ehemaliger Eliten des NS-Staates gegründet worden. 1980 erhielt er die "Ulrich-von-Hutten-Medaille" der "Gesellschaft für freie Publizistik", der größten rechtsextremen kulturpolitischen Vereinigung in Deutschland, die von früheren NSDAP-Funktionären und SS-Offizieren ins Leben gerufen wurde. Wie der "Stern" schreibt, bestätigte Brekers Witwe Charlotte, dass ihr Mann die beiden Auszeichnungen erhalten habe. Ihr sei allerdings "nicht bekannt" gewesen, dass es sich um rechtsextreme Organisationen handle.
Im Dezember 1986 veröffentlichte Breker in den "Deutschen Monatsheften" einen Artikel über den französischen Künstler Aristide Maillol, zuvor hatte er den "kulturell anspruchsvollen Stil" des rechtsextremen Blattes gelobt. 1987 besuchten Mitglieder des rechtsextremen "Bundes Heimattreuer Jugend" Brekers Atelier. Wie Brekers Witwe bestätigte, durften sie die Nacht über im Garten seines Privathauses zelten, der "Bund" sei ihr aber "kein Begriff".
In rechten Publikationen wird Breker als früher "Förderer" der NPD genannt. Brekers Witwe hält das gegenüber dem "Stern" für "unverständlich". Nach Brekers Tod trauerte das antisemitische Blatt "Die Bauernschaft" um ihren "Leser" Breker. Das Blatt wurde von Thies Christophersen herausgegeben, einem einstigen SS-Sonderoffizier in Auschwitz-Birkenau. Der sorgte 1974 mit seiner Broschüre "Die Auschwitzlüge" weltweit für Empörung. Brekers Witwe erklärte dem "Stern", das Blatt nicht zu kennen.
hoc/ddp/dpa
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