Das Leben ahmt die Kunst nach, lautet ein Grundsatz des Ästhetizismus, und weil Pablo Wendel schon von Kindheit an ein Faible für die tönerne Streitmacht des ersten Kaisers von China, Qin Shihuangdi, hatte, gab er diesem Credo nun gleich selbst Gestalt.
Der 26-jährige Kunststudent bastelte sich einen dunkelbraunen Kampfanzug komplett mit Tunika und Helm und mischte sich damit Museum der Stadt Xian unter die Tausende mannsgroßen Soldaten, die in riesigen unterirdischen Kammern den toten Kaiser schützen sollten.
Das Museumspersonal hatte große Mühe den Jungsoldaten wieder auszumustern: "Ich ging in den Bereich, in dem er vermutet wurde, schaute mich um und sah ihn nicht", zitierte die Zeitung "Wen Wei Po" einen der Wächter. "Er sah einfach aus wie ein Terrakotta-Krieger." Am Ende wurde der Möchtegern-Krieger dann aber doch identifiziert - und kam mit einer Ermahnung davon.
Eine Mahnung liegt in dieser Aktion womöglich für uns alle: Den jungen Menschen, kunstsinnig und gebildet, verlangt es nach Eingliederung ins straff organisierte Kollektiv; das Serielle und Militärische - also Anti-Individuelle - hat in Zeiten einer (nicht mehr ganz so) neuen Unübersichtlichkeit wieder Konjunktur. Studenten die still halten - wer hätte das gedacht.
dan/AP
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