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26.09.2006
 

TV-Film "Wut"

ARD-Chef verteidigt Verschiebung

Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber wehrt sich gegen Kritik aus den eigenen Reihen. Der umstrittene Fernsehfilme "Wut" sei nur aus Gründen des Jugendschutzes auf den späten Abend verlegt worden. Von einem Mangel an Mut sei keine Rede.

Hamburg – Der Vorsitzende der ARD, Thomas Gruber, hat die Verschiebung des Fernsehfilms "Wut" auf den späteren Abend gegen Kritik aus den eigenen Reihen verteidigt. Der vom WDR produzierte Film sollte eigentlich am Mittwoch um 20.15 Uhr laufen und wurde vor wenigen Tagen auf Freitag 22.00 Uhr verschoben. Kritisiert wurden die teils extremen Gewaltszenen und vermeintliche Ausländerfeindlichkeit. WDR-Intendant Fritz Pleitgen hatte die Entscheidung am Wochenende öffentlich kritisiert und der ARD mangelnde Courage vorgehalten. Die ARD habe eine Mehrheitsentscheidung getroffen. "Wir sind gänzlich anderer Ansicht, aber wir akzeptieren das Ergebnis", so Pleitgen

Die ARD sei laut Gruber an den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sowie an weitere ARD-weit gültige Richtlinien und Kriterien zum Jugendschutz gebunden. "Das und nur das ist der Grund, weshalb die vom WDR eingebrachte Produktion 'Wut' nicht vor 22.00 Uhr im Ersten gezeigt werden kann", sagte er. Die ARD-Jugendschutzbeauftragten seien in einer Sitzung Ende August übereinstimmend zu der Meinung gekommen, dass der Film nicht für die frühe Sendezeit geeignet ist, da er Gewalt als Mittel der Konfliktlösung in Form von Selbstjustiz propagiert. "Die Einhaltung des Jugendschutzes ist kein Zeichen für mangelnde Courage, sondern die selbstverständliche Pflicht eines jeden ARD-Intendanten", sagte Gruber. Es sei "müßig", der ARD fragwürdige Motive für diese Entscheidung zu unterstellen

In dem TV-Film von Regisseur Züli Aladag quält der Anführer einer türkischen Jugendgang einen Schüler aus einer liberalen, gut gestellten Familie. Nach und nach terrorisiert er nicht nur ihn, sondern auch seine Angehörigen. Die Situation eskaliert. Der WDR sei über die Entscheidung der ARD-Jugendschutzbeauftragten informiert worden. Trotz der Bedenken "und gegen den Rat von Juristen" habe der WDR an dem ursprünglichen Termin an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr festhalten wollen, sagte Gruber. Nur deshalb hätten sich die Intendanten in der vergangenen Woche mit dem Fall beschäftigen müssen und entschieden, dem Votum der Jugendschutzbeauftragte zu folgen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) warnte indes vor Selbstzensur in der Kunst. Aus Anlass Verschiebung des Sendetermins für den Fernsehfilm und der Absetzung der Inszenierung "Idomeneo" in der Deutschen Oper Berlin sagte Neumann am Dienstag, wenn die Sorge vor möglichen Protesten "schon zur Selbstzensur führt, dann gerät die demokratische Kultur der freien Rede in Gefahr". Kunst und Medien hätten die Aufgabe, Widersprüche und Gegensätze einer Gesellschaft klar zu benennen, zu reflektieren und zu kommentieren. "Das verlangt von uns allen Toleranz und Courage: Toleranz auch gegenüber unbequemen Meinungen und Courage im Angesicht der Kontroverse. Probleme lassen sich nicht durch Verschweigen lösen."

fho/dpa/AFP/ddp

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