Sonntag, 22. November 2009

Kultur



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28.09.2006
 

TV-Drama "Wut"

Stoiber kritisiert Verschiebung als "fatales Signal"

Der Streit um die Verschiebung des deutsch-türkischen Jugenddramas "Wut" erreicht die Politik: Während die ARD-Chefs uneins über die Entscheidung für einen späteren Sendeplatz sind, nannte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber die Verlegung "fatal".

Frankfurt/Main - Der Film zeige Gewalt und Selbstjustiz als Mittel der Konfliktlösung, begründete der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber die Entscheidung, das deutsch-türkischen Jugend-Drama "Wut" ins Spätprogramm zu verlegen. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber betonte dagegen, dies sei ein fatales Signal: "Die Wahrheit hat Anspruch darauf, ohne Wenn und Aber gezeigt zu werden."

Szenefoto aus "Wut": "Die Wahrheit hat Anspruch darauf, gezeigt zu werden"
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Hardy Spitz / WDR

Szenefoto aus "Wut": "Die Wahrheit hat Anspruch darauf, gezeigt zu werden"

Der für Mittwoch angekündigte Film war mit Hinweis auf den Jugendschutz kurzfristig auf einen späten Sendeplatz um 22.00 Uhr am kommenden Freitag verschoben worden. "Wir wollen den Film nicht verstecken", betonte Gruber, der auch Intendant des Bayerischen Rundfunks ist. Der Film lasse den Zuschauer jedoch mit seinen Sorgen allein. Er fühle sich deshalb an das Votum der Jugendschutz-Beauftragten gebunden, erklärte Gruber. Deren Empfehlung, den Film nicht wie geplant zur Hauptsendezeit um 20.15 Uhr zu zeigen, sei jedoch bereits Ende August erfolgt. "Warum danach so lange nichts passiert ist, das müssen Sie den WDR fragen." Er sei als produzierender Sender für die Ausstrahlung verantwortlich.

Der WDR habe seine Entscheidung für einen Sendetermin zur Hauptabendzeit nicht leichtfertig getroffen, verteidigte sich der stellvertretende WDR-Intendant Lutz Marmor. Man habe sich gründlich mit Aspekten des Jugendschutzes befasst. Bei einem gesellschaftlich relevanten Thema wie diesem sei es gerechtfertigt, "an Grenzen zu gehen". Eine einheitliche Beschlussfassung der Jugendschützer für eine Platzierung des Films um 22.00 Uhr im Ersten habe es aber nicht gegeben, fügte Marmor hinzu.

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet bezeichnete die Aufregung um das Drama als unverständlich. "Der Film ist nicht ausländerfeindlich", sagte der CDU-Politiker im WDR-Fernsehen. "Er beschreibt etwas, was es gibt in diesem Land, nämlich Gewalt an den Schulen." Auch in vielen anderen Filmen kämen Ausländer als Kriminelle vor.

Nach dem Film plant die ARD um 22.30 Uhr die Ausstrahlung der Diskussionsrunde "Tatort Schulweg - Hilflos gegen Jugendgewalt?" mit den Moderatorinnen Sandra Maischberger und Asli Sevindim, die bereits am Mittwochabend in Mönchengladbach aufgezeichnet wurde. An der Diskussion, der eine Vorführung des Films vorausging, nahmen auch 120 Schüler aus zwei örtlichen Haupt- und Gesamtschulen teil.

Für Hüseyin Cansay, Leiter eines Kölner Jugendtreffs, ist der Fernsehfilm "Wut" ein harmloser Spielfilm. Ein 20-jähriger Deutsch-Libanese, der fünf Jahre in Jugendhaft saß, empfindet die Wirklichkeit als "viel schlimmer". Regisseur Züli Aladag bedauerte die Verschiebung. Seiner Meinung nach hätten Jugendliche die Darstellung der Gewalt ausgehalten. Und Hauptdarsteller Oktay Özdemir sagte: "Wir wollten niemanden provozieren. Wir wollten zeigen, was mal gezeigt werden musste."

Das WDR-Jugend-Drama schildert die Angriffe einer türkischen Jugendgang auf einen Jungen aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Die Familie des Jungen gerät dabei in eine Eskalation aus Gewalt und Gegengewalt.

hoc/ AP/DDP

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