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New York Giuliani und die zerschnittene Kuh

Der New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani duldet keinen Zigarrettenqualm in seiner Stadt - und auch den Elefantenkot der britischen Skandal-Ausstellung "Sensation" will er nicht hereinlassen. Jetzt könnte ihm sein penetranter Säuberungskrieg zum Verhängnis werden.

Mag Zerhacktes nur auf Tellern: Rudolph Giuliani
REUTERS

Mag Zerhacktes nur auf Tellern: Rudolph Giuliani

Ein bisschen abgenutzt ist die Diskussion um die Ausstellung "Sensation" ja schon. Vor drei Jahren bereits waren die sonst so coolen Briten "not amused", als der Werbemann Charles Saatchi seine makabren Exponate in der Londoner Royal Academy präsentierte: eine in Scheiben geschnittene Kuh, ein von Damien Hirst persönlich in Formalin eingelegter Haifisch, ein mit Elefantenkot beflecktes Porträt der Heiligen Maria und ein Bild der Kindesmörderin Myra Hindley, zusammengesetzt aus hunderten von Kinderhandabdrücken, schockten damals die Bevölkerung und verwunderten die Künstler: Damien Hirst konnte nur schwer verstehen, warum zerteilte Tierstücke so aufregen, wo doch täglich tonnenweise Vieh geschlachtet, Fleisch konsumiert und Lederkleidung gekauft wird.

Dass momentan nun in der sonst so offenen Künstlermetropole New York über "Sensation" debattiert wird, liegt an einem Mann, der sich schon vor Zigarettenkippen ekelt und zu seinem Amtsantritt 1994 das öffentliche Verteilen von Kondomen an Schulen verbot: Rudolph Giuliani ist der Meister Proper unter den Bürgermeistern. Eine in Scheiben geschnittene Kuh duldet er höchstens auf seinem Teller in einem New Yorker Edelrestaurant. "Wer so krankes Zeug machen will, kann das tun, doch nicht mit den Geldern meiner Steuerzahler", beschloss er und drohte dem Brooklyn Museum mit der Streichung von Subventionen, falls die Ausstellung dort tatsächlich ab dem 2. Oktober stattfinden sollte. Die jährliche Unterstützung des städtischen Museums beträgt sieben Millionen Dollar, ein Drittel des Gesamtbudgets. Die Institution könnte mit der Vollstreckung von Giulianis Urteil dichtmachen.

Vor alles und jeden will der penible Bürgermeister seine Stadt schützen - vielleicht kann er schon bald nicht einmal mehr sich selbst schützen. Sogar der sonst so moderaten "New York Times" ist jetzt der Kragen geplatzt: "Rudolph Giuliani, der nur eine vorübergehende Bekanntschaft mit dem ersten Verfassungssatz gemacht zu haben scheint, fühlt sich also verpflichtet uns vor einigen bösen Bildern einer Ausstellung bewahren zu wollen. Und wenn dazu der einzige Weg ist, eine der besten kulturellen Einrichtungen wie das Brooklyn Museum of Art zu verkrüppeln (...) Künstlerische Freiheit? Intellektuelle Freiheit? Diese Begriffe sind für einige Politiker bedeutungslos. Bürgermeister Giuliani scheint es zu erfreuen, welch hemmende Wirkung er auf künstlerische und geistige Unternehmungen hat. Er liebt es, seine rohe, nackte, Macht zu zeigen", schrieb die Zeitung.

Auch Hillary Clinton, die demokratische Rivalin im Kampf um einen New Yorker Senatssitz, ließ sich zu einer Aussage hinreißen. Sie halte die Reaktion von Giuliani für falsch. Er dürfe seine Position nicht nutzen, um Druck auszuüben. Besuchen werde sie die "beleidigende" Ausstellung jedoch auch nicht. Wie sich Giulianis Verhalten auf seine Chancen auf den Posten des Senatoren auswirken wird, bleibt abzuwarten. Als sicher gilt, dass er sämtliche Künstler als Wähler vergrault hat - und davon gibt es ja in New York bekanntlich sehr viele.

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