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19.10.2006
 

TV-Show "Stars auf Eis"

Kati und die Suppenhühner

Von Marianne Wellershoff

Singen, tanzen, hüpfen, springen: Wer zur ProSieben-"Star Force" gehört, muss vollen Körpereinsatz zeigen. Seit gestern macht es der Sender wie RTL und schickt die geballte C-Prominenz aufs Glatteis. Einziges Plus: Das müde Schlittschuh-Casting "Stars auf Eis" wird von Katarina Witt moderiert.

"Neun Stars wollen das Eislaufen lernen", verkündete der Sprecher zu Beginn der Sendung "Stars auf Eis", und schon bei dieser einfachen Aussage war nicht ganz klar, ob sie stimmt. Zum einen kann man gut darüber streiten, ob beispielsweise Charlotte Engelhardt (Moderatorin der ProSieben-Show "Do it Yourself – S.O.S.") oder Pierre Geisensetter (Sportler bei "Das große ProSieben-Tanzturnier") wirklich Stars sind. Und zum anderen könnte man daran zweifeln, ob die neun Mehr-oder-Weniger-Prominenten wirklich das Eislaufen lernen "wollen", oder ob sie in Wahrheit nicht einfach nur mal wieder im Fernsehen zu sehen sein wollen - oder ob ganz einfach ihr Sender sie in der Show sehen wollte.

"Stars auf Eis"-Moderatorin Witt: "Viel Geduld und Ausdauer"
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ProSieben/Wolfgang Wilde

"Stars auf Eis"-Moderatorin Witt: "Viel Geduld und Ausdauer"

Moderiert und produziert wird "Stars auf Eis" von Katarina Witt, Deutschlands nettester Eiskunstläuferin – die mit ihrer Sendung gegen das praktisch identisch konzipierte RTL-Format "Dancing on Ice" antritt, das bereits in der vergangenen Woche anlief. Doch während RTL die Profi-Moderatoren Mirjam Weichselbraun und Wayne Carpendale durch die Sendung führen lässt, ist es bei ProSieben eben eine Profi-Eiskunstläuferin. Witt kann Expertentipps geben ("Ihr braucht viel Geduld und viel Ausdauer", "Auf dem Eis muss man erstmal Schlittschuhlaufen lernen") und fürsorglich mit steifbeinigen Kandidaten an der Hand übers Eis gleiten, in ihren Moderationen dagegen wirkt sie so lieb und aufrichtig, als sei ihr nicht ganz klar, dass sie es ist, die souverän durch die Sendung führen soll.

Die erste Sendung war dem Kennenlernen, der Kostümwahl und der Partnersuche gewidmet – denn jeder der Kandidaten tanzt gemeinsam mit einem Profi. Wobei die mitunter den Kopf darüber schüttelten, was die Eistänzer in spe sich aufladen. "Ich habe großen Respekt vor den Promis, dass die das mitmachen", sagte der Eislaufkünstler Matthias Bleyer, "ich würde das nicht tun."

Nun gut, an Selbstbewusstsein mangelte es den meisten Kandidaten auch nicht. Ande Werner vom Komikerduo Mundstuhl erklärte stolz, er habe Eislaufen schon als Kind beim Hockeyspielen auf dem zugefrorenen See gelernt (von wegen...). Die ehemalige Leichtathletin Heike Drechsler verkündete bei der Kostümwahl, "ich könnte Sandsäcke tragen, und es würde immer noch gut aussehen". Nur Pierre Geisensetter, ein ehemaliger Fitnesstrainer, ließ gleich jede Eitelkeit abfallen und fand das passende Kostüm weniger wichtig als die Polster an Ellenbogen und Knien.

Eine realistische Einschätzung, denn keiner stakste auch nach einer Woche Training noch so unbeholfen übers Eis wie er, weshalb Kati Witt ihn mitleidig ein sehr großes "Häufchen Elend" nannte. Noch elender wurde es für ihn, als er stürzte und sich eine Kapsel im Handgelenk verletzte. Die anderen Kandidaten, die sich zu Beginn wohl eher als Adler fühlten, wurden von Training zu Training mehr zum Suppenhuhn. Charlotte Engelhardt, anfangs strahlende Eisprinzessin, musste mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Und der Sänger, Moderator, ProSieben-Tanzturniergewinner und Ex-Soap-Star Oli P. kam schließlich zu der Erkenntnis: "Kein Sport ist vergleichbar mit dem Eiskunstlaufen." Na, sowas.

Damit bei den vielen Promis und Profis kein Zuschauer den Überblick verliert, charakterisierte Katarina Witt die zusammengestellten Laien-Profi-Paare kurz: Oli P. und Kati Winkler wurden "Die feurigen Tänzer", was seine Rechtfertigung höchstens im feurigen Fluchen fand (Oli P.: "Ich finde das alles zum Kotzen. Ich will nach Hause."). Lucy, ehemals Mitglied der No Angels, und Silvio Smalun wurden "Das rassige Team", das, so Witt, "mit Rasse das Eis zum Schmelzen bringt". Lucy formulierte das Rasse-Konzept so: "Ich vertraue Silvio, denn er hält mich." Ande Werner und Annette Dytrt wurden das "Fun-Paar", keine große Überraschung, da Ande ja als Komiker engagiert wurde. Allerdings verging ihm schnell der Humor, da ihn gemeine Blasen an den Füßen plagten. Auch dafür hatte Katarina Witt Verständnis: "Schuhe einzulaufen ist ein Grauen, es dauert Wochen."

Ach, überhaupt, der Faktor Zeit. Es dauert, bis man Eislaufen kann, vom Eiskunstlaufen und Eistanzen ganz zu schweigen. Sie habe ja schon 35 Jahre Lauferfahrung Vorsprung, erzählte Kati Witt und lächelte dabei. Die Show hat also das Potential zum Dauerbrenner, theoretisch jedenfalls, aber schon jetzt zieht sie sich irgendwie in die Länge. Am kommenden Mittwoch wird die erste Kür gezeigt, und dann fährt das erste Paar nach Hause. Man könnte nach der ersten Sendung spekulieren, dass der eine oder die andere es genau darauf anlegt.

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