Berlin - Gleich zwei Mal soll die aus Furcht vor Anschlägen islamistischer Terroristen abgesetzte Mozart-Oper "Idomeneo" noch in diesem Jahr aufgeführt werden. Zu dieser Entscheidung kamen laut einer Mitteilung der Oper die Berliner Senatoren für Inneres Kultur, Ehrhart Körting und Thomas Flierl, sowie der Generaldirektor der Stiftung Oper, Michael Schindhelm und die Intendantin Kirsten Harms.
Flierl begrüßte die beabsichtige Wiederaufnahme und erklärte, er habe in der Diskussion stets betont, "dass die notwendige Selbstverständigung der Berliner Stadtgesellschaft über das hohe Gut der Kunstfreiheit in Zeiten möglicher wie realer terroristischer Bedrohung nur dann glaubhaft, überzeugend und nachhaltig sein wird, wenn sie im Angesicht der Neuenfels Inszenierung stattfindet".
Das Landeskriminalamt hatte zuvor eine neue Gefahrenanalyse vorgelegt. Darin heißt es: "Eine konkrete Gefährdung der Deutschen Oper oder der Mitwirkenden wird zurzeit nicht gesehen." In Übereinstimmung mit dem Bundeskriminalamt sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass gefährdende Ereignisse im Zusammenhang mit einer Wiederaufführung "eher unwahrscheinlich" seien, erklärte die Polizei. Die Entwicklung der Gefährdungslage werde weiter beobachtet und analysiert.
Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Kenan Kolat, begrüßte die Wiederaufnahme der Oper in den Spielplan. Bei der Inszenierung von Regisseur Hans Neuenfels gehe es um Kunst, und diese dürfe sich nicht von Politik oder Religion beeinflussen lassen, sagte Kolat. Über Geschmack lasse sich zwar streiten, es sei aber die Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob er hingehe oder nicht.
Man müsse nun sehen, ob alle Teilnehmer der Islamkonferenz die Aufführung wie angekündigt besuchten, sagte Kolat. Bislang habe sich nur der Islamrat kritisch hierzu geäußert. Falls Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine entsprechende Einladung nicht ausspreche, wolle er sie übernehmen, fügte der TGD-Vorsitzende hinzu, der auch Geschäftsführer beim Türkischen Bund Berlin-Brandenburg ist.
Kolat betonte, er habe die Absetzung des Stückes ohnehin nicht nachvollziehen können. Es hätten keine Erkenntnisse darüber vorgelegen, dass irgendeine Organisation oder Gruppierung gegen die Inszenierung mobilisiert habe. Er sehe auch heute kein Potenzial für entsprechende Proteste.
Die Deutsche Oper hatte "Idomeneo" in der umstrittenen Inszenierung von Hans Neuenfels Ende September vom Spielplan für den November genommen. Die Berliner Sicherheitsbehörden hatten zuvor vor möglichen islamistischen Anschlägen gewarnt, denn in der finalen Szene der Inszenierung werden die abgeschlagenen Häupter von Jesus, Buddha, Mohammed und Poseidon gezeigt.
hoc/ AP/ddp
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