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03.11.2006
 

Streit um NS-Vergangenheit

Habermas stoppt Fest-Biografie

Der Philosoph Jürgen Habermas hat sich im Streit um die ihn betreffende Passage in der Autobiografie von Joachim Fest vor Gericht gegen den Rowohlt Verlag durchgesetzt. Das Buch darf ab sofort nur noch ohne den kritischen Absatz erscheinen.

Hamburg - Das Hamburger Landgericht verbot dem Verlag per einstweiliger Verfügung, Fests Buch "Ich nicht" mit einer bestimmten Passage zu verbreiten. Sie enthalte üble Nachrede, wie der Rechtsanwalt des Philosophen Jürgen Habermas mitteilte. An der Passage, die Habermas Aktivitäten im NS-Regime vorwerfe, stimme rein gar nichts, sagte Anwalt Joachim Kersten. Der Rowohlt Verlag folgt der gerichtlichen Anordnung nach eigenen Angaben zunächst und wird ab Montag eine neue Auflage ohne die umstrittenen Zeilen liefern. Allerdings werde man Einspruch einlegen.

Philosoph Habermas: Setzte sich gerichtlich gegen Fests Biografie durch
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DDP

Philosoph Habermas: Setzte sich gerichtlich gegen Fests Biografie durch

"In unserem Buch steht nichts von Habermas, und es handelt sich lediglich um eine anekdotische Bewältigung der Vergangenheit", sagte der kaufmännische Leiter, Eckhard Kloos. Erst die Zeitschrift "Cicero" habe daraus eine Tatsachenbehauptung gemacht.

In seinen im September erschienenen Kindheits- und Jugenderinnerungen "Ich nicht" hatte der wenige Tage zuvor verstorbene Historiker Fest in einigen Zeilen eine nicht namentlich genannte Person in die Nähe des NS-Regimes gerückt. In der betreffenden Passage schreibt Fest über ehemalige NS-Täter, die sich nach dem Krieg durch "großes Verleugnen" hervorgetan hätten. Diese Person sei aber sofort als Habermas zu entschlüsseln, erklärte dessen Anwalt.

In der Novemberausgabe der Zeitschrift "Cicero" geht der Autor Jürgen Busche der Frage nach, ob es sich bei der in der Textstelle erwähnten Person um Habermas handeln könnte. Busche setzt sich in seinem Bericht mit dem Titel "Hat Habermas die Wahrheit verschluckt?" mit dem seit Jahrzehnten in Intellektuellenkreisen kolportierten Gerücht auseinander, wonach der Philosoph einen von ihm als Mitglied der Hitlerjugend ausgefüllten Vordruck-Zettel verschluckt haben soll.

In etlichen deutschen Feuilletons war Busche deswegen vorgeworfen worden, Habermas mit infamen Spekulationen diffamieren zu wollen. "Kronzeuge" in diesem Fall ist der Bielefelder Historiker Hans-Ulrich Wehler, der nach eigenen Angaben Habermas den betreffenden Vordruck-Zettel in den siebziger Jahren wieder übergab. Wehler war als 12-Jähriger mit dem 14-jährigen Habermas zusammen in einer Sanitäter-Lehrgangsgruppe gewesen. Mit dem Vordruck solle der Philosoph Wehler zur Teilnahme an den Lehrgängen aufgefordert haben.

In einem Interview mit dem SPIEGEL verneinte Wehler die Frage, ob er Habermas als überzeugten Jung-Nazi erlebt habe. Auf die Frage nach einer möglichen Erklärung für Fests Vorgehen antwortete er: "Ich vermute, dass in ihm ein tief verwurzelter Hass saß wegen der Rolle von Habermas im 'Historikerstreit'". Habermas hatte Fest damals scharf kritisiert, weil dieser den umstrittenen Thesen des Historikers Ernst Nolte in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ein Forum gegeben hatte.

hoc/AP

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