St. Petersburg - Kukurus heißt auf russisch Maiskolben. So haben die Bewohner St. Petersburgs jetzt schon den gigantischen Turm getauft, der - geht es nach Russlands größtem Unternehmen Gasprom - bald zum Symbol ihrer Stadt werden soll. Eine Jury kürte den Entwurf des britischen Architekturbüros RMJM zum Sieger für die "Gasprom-City", wie das von dem Energie-Riesen geplante Geschäftsviertel genannt wird. Das Projekt sieht den Bau eines ultramodernen Bürokomplexes des Energie-Riesen auf einem 70 Hektar großen Gelände am Ufer der Newa gegenüber dem historischen Smolny-Konvent vor. Dazu gehören ein Fünf-Sterne-Luxushotel und ein Wolkenkratzer als Markenzeichen.
RMJM warfen mit ihrem Entwurf fünf weitere Architektenteams von Weltruhm aus dem Rennen, darunter Daniel Libeskind mit seinem Stiletto-förmigen Entwurf, Herzog & de Meuron mit ihren Spiralen und Jean Nouvel mit seiner gläsernen Wand. Der Entwurf der Briten sieht dagegen einen spitz zulaufenden Turm in Form einer Fackel mit verschiedenen Facetten vor, die je nach Beleuchtung ihre Farbe ändern und an das Gasprom-Emblem, eine Flamme, erinnern soll.
Egal, ob Fackel oder "Maiskolben", der Bau des 2,4 Milliarden Dollar schweren Mega-Projekts ist in Russland äußerst umstritten. Nach Ansicht von Kritikern würde das 300-Meter-Gebäude das historische Gesamtbild der Stadt mit ihren alten Palästen und Kanälen empfindlich beschädigen. Ein örtliches Architektenteam hatte kürzlich in einem offenen Brief gewarnt, ein solcher Turm werde die Harmonie im Stadtbild für immer zerstören. Der Chef des weltberühmten Eremitage-Museums kritisierte das Vorhaben, das Projekt so nahe am Stadtkern zu verwirklichen.
Ob der Wolkenkratzer also tatsächlich so gebaut werden kann, wie geplant, ist alles andere als sicher. Schon während des umstrittenen Architekturwettbewerbs hatte die Stadtverwaltung immer wieder betont, dass es sich lediglich um einen Ideenwettbewerb handle.
Der Sieger, also das international agierende Architekturbüro RMJM, müsse sich an die Vorgaben der Stadt halten, die das Bauprojekt auch finanzieren wird, und den Entwurf noch weiter ausgestalten und korrigieren, erklärte Stadtoberhaupt Valentina Matwijenko.
In der Jury saßen neben der Gasprom-Direktion und Vertretern der Stadt unter anderem der britische Architekt Norman Foster und der japanische Architekt Kisho Kurokawa. Letzterer hatte seinen Sitz in der Jury aus Protest allerdings in letzter Minute zurückgegeben. Nach Angaben der "New York Times" sei es für ihn "eines der wichtigsten Aspekte, den kulturellen Wert der historischen Altstadt zu bewahren".
Das 1703 von Zar Peter dem Großen gegründete St. Petersburg hat über die Jahrhunderte eine starke architektonische Einheit gewahrt. Der Bau von Gebäuden mit mehr als 48 Metern Höhe ist in der Innenstadt eigentlich verboten.
hoc/AFP
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