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13.12.2006
 

Verstehen Sie Haas?

Rasiert und blamiert

Von Daniel Haas

Henrico F. soll sich rasieren und waschen. Dann kriegt er einen Job. Sagt Kurt Beck. Ist der Mann wahnsinnig? F. hat den perfekten Look - für eine der letzten Wachstumsbranchen.

Was ist denn in Kurt Beck gefahren? Empfiehlt er dem Arbeitslosen Henrico F. so einfach eine erweiterte Körper- und Haarpflege zwecks Vollbeschäftigung. Hat Beck sich den Mann überhaupt angesehen?

Becks Styling-Fall F.: Fehlt die rosa Brille?
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DDP

Becks Styling-Fall F.: Fehlt die rosa Brille?

Henrico F. hat das perfekte Outfit für die Kreativszene. Die meisten Medienfuzzis in Berlin Mitte brauchen Jahre, Tausende von Euros und einen Stilberater, um so auszusehen.

Asymmetrische Frisur mit Strähnen, Heavy-Metal-Zitat per Nasen-Doppel-Piercing, HipHop-Anmutung durch Kapuzenpulli, Dolce&Gabbana-mäßige, knapp sitzende Lederjacke und als ideologisches Augenzwinkern ein Runenkreuz-Amulett: F. trägt die Stammeskluft der hippen Besserverdiener, wie sie Werbeagenturen, Lifestyle-Magazin-Redaktionen und Internet-Büros von Stuttgart bis Hamburg bevölkern.

"Wenn Sie sich waschen und rasieren, haben Sie in drei Wochen einen Job", hat Beck versprochen. Das Gegenteil ist der Fall: Rasur und Waschung im kleinbürgerlichen Sinn bringen den Mann um jedes Bewerbungsgespräch in einer der letzten Wachstumsbranchen des Landes. Beck, der gelernte Elektromechaniker, hat da vielleicht andere ästhetische Prämissen - mit gestärktem Hemd und krebsroter Rasurhaut kommt man bei Kreativdirektoren jedenfalls nicht weiter.

Man hätte von der SPD eigentlich mehr erwartet: Zu Schröders Zeiten wussten die Genossen, was die Medienuhr geschlagen hat. Brioni-Model Gerhard hätte F. ein Kompliment zur Haarfärbung gemacht und in Ermangelung anderer Stimulantien eine Zigarre rausgerückt.

Becks stylistisches Know-how hingegen beschränkt sich auf einen ordentlichen Drei-Tage-Bart, der so uncool ist wie ein Job beim Finanzamt. Ganz anders F.s Gesichtshaar, das gekonnt zwischen "Piraten der Karibik" und Charles Manson vermittelt.

Weil Stilberatung immer auch Zukunftsberatung ist, muss die Sache anders laufen. F. braucht lediglich ein Accessoire: eine Sonnenbrille. Die würde kaschieren, was in seinem Blick liegt: die Angst, nicht durchzuhalten; die Wut, abgehängt worden zu sein.

Eine kalte Dusche hat F. außerdem schon bekommen: Politiker-Zynismus, der sich gewaschen hat.

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