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15.12.2006
 

"Idomeneo"-Wiederaufnahme

Polizeischutz für Mozart-Oper

Es war der Aufreger der Saison: Aus Angst vor islamistischen Anschlägen hatte die Deutsche Oper in Berlin die Mozart-Oper "Idomeneo" aus dem Spielplan gestrichen. Jetzt wird die umstrittene Inszenierung wieder aufgeführt - allerdings unter Polizeischutz.

Berlin – Die Mozart-Inszenierung, die bereits 2003 Premiere gefeiert hatte, wird wohl als eine der best geschützten Aufführungen in die Geschichte des Hauses eingehen. Wie ein Polizeisprecher sagte, sei die Polizei auf alle Eventualitäten vorbereitet – auch wenn die Beamten diskret und dezent im Hintergrund agieren sollen. Verantwortliche der Oper selbst hatten angekündigt, Sicherheitsschleusen im Foyer aufbauen zu wollen.

Die Inszenierung von Hans Neuenfels war von der Intendantin der Deutschen Oper, Kirsten Harms, im September nach einem Anruf von Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wegen möglicher islamistischer Bedrohungen vom Spielplan gestrichen worden. Auslöser für die Befürchtungen war die Schlussszene: Dort betritt der Titelheld mit den abgetrennten Köpfe von Poseidon, Jesus, Buddha und Mohammed die Bühne.

Mozart-Oper "Idomeneo" im Berlin: Wegen Angst vor Anschlägen abgesetzt
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DPA

Mozart-Oper "Idomeneo" im Berlin: Wegen Angst vor Anschlägen abgesetzt

"Das Interesse besonders bei den Medien ist gewaltig", sagte Opernsprecher Alexander Busche. Journalisten aus Spanien, Großbritannien, den USA, Saudi-Arabien, der Türkei, Japan und anderen Ländern werden zur Wiederaufnahme in Berlin erwartet.

Auch Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte sein Erscheinen an. Er hatte auch die 28 anderen Teilnehmer der Islamkonferenz eingeladen – ihr Besuch sollte ein Bekenntnis für die Kunstfreiheit sein. Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya, lehnte allerdings ab. Eine Oper, in der nicht nur dem Propheten Mohammed, sondern auch Christus der Kopf abgeschlagen werde, müsse er sich nicht antun, bei allem Respekt vor der Kunstfreiheit, sagte Kyizilkaya. Der Einladung gefolgt ist dagegen der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat.

Nach der Absetzung der Oper wurde die Intendantin Harms von allen Seiten scharf kritisiert. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Streichung aus dem Spielplan"nicht erträglich". Mit Spannung werden deshalb die Reaktionen auf die Schlussszene erwartet: Bis es jedoch so weit ist, müssen die Zuschauer fast drei Stunden auf ihren Sitzen ausharren.

kam/ddp/ap

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