Es hat wohl jeder schon einmal davon gehört, dass auf der Welt hier und da die Küchen abgeschafft werden. Es werden Wohnhäuser hochgezogen in Amerika, in China, heißt es, in deren Apartments eine Küche gar nicht mehr vorgesehen ist. Die Architektur folgt dem Zeitgeist: Wo sich Menschen ohnehin aushäusig oder von Take-Away ernähren, ist ein Herd samt Infrastruktur überflüssig, zumal sich ein Mikrowellenherd, so er denn überhaupt noch gewünscht ist, bequem neben dem Schuhschrank oder im Badezimmer aufstellen lässt.
Ich habe diese Geschichten nie überprüft, gehe aber davon aus, dass sie stimmen. Nur: Richtig empören kann ich mich nicht über sie, denn dieser Niedergang hat viel früher begonnen und an anderer Stelle: Der erste Schritt war die Abschaffung des Esszimmers – und dafür muss man nicht nach Amerika und China schauen. Das haben wir gemacht, hier, im guten alten Europa.
Wer heutzutage in Berlin oder Dresden oder München eine Wohnung von Freunden betritt, und dasselbe ist wahr für London, Paris und Madrid, wird das gute, alte Esszimmer immer öfter vergeblich suchen. Gewiss, es gibt die kinderlosen Neubürgerlichen, in deren 180-Quadratmeter-Fluchten tatsächlich noch ein ganzes Zimmer dem Essen gewidmet ist. Aber auch das ist nur schöner Schein: Die Bewohner hocken in der Regel doch am Küchenkatzentisch zusammen, weil sie einen ganzen Raum zum Essen in Wahrheit gar nicht mehr füllen können.
Ich gehöre zu den Menschen, die das bedauern, weil ich sicher bin, dass wir in Zukunft Heimweh bekommen werden nach gedeckten Tischen in dafür eigens reservierten Räumen. Warum? Weil der Tisch einst die ruhende Mitte des Alltagslebens war. Wer immer sich an einen Tisch setzte, um mit anderen gemeinsam zu essen, schrieb mit am großen Tagebuch der kulinarischen Kulturgeschichte, ob er das wollte oder wusste oder nicht.
Essen als Kitt der Gesellschaft
In jeder Tischgemeinschaft, da bin ich mir sicher, in jedem Esszimmer wirkt ein Wissen um Kultur und Traditionen, eine Ahnung von den alten Gesten des Teilens, des Brotbrechens, vom Abendmahl. Tische und Esszimmer berichten von Gastfreundschaft und von Festen, von Sonntagsbraten und Freitagsfisch, sie reden von Mangel und Überfluss, von Angeberei und Geiz, sie reden von den schönen Seiten des Lebens, den heiteren, stillen Momenten.
Wer meint, die großen Kulturstränge des gemeinsamen Essens seien abgelebt, irgendwie antik, längst versandet, der darf sich auf Phantomschmerzen gefasst machen. Essen hält Leib und Seele zusammen, heißt es. Ich glaube, man muss es sogar zum Kitt zählen, der ganze Gesellschaften zusammen hält.
Das ist zu dick aufgetragen? Vielleicht. Aber ein Kind, das ohne Tischerlebnis aufwächst, das nie ein Esszimmer gesehen hat, das nichts von "Tischgemeinschaft" weiß, wie soll das später, als Mann, als Frau, eine Liebe zum Essen entwickeln? Und wie kann jemand ein anständiger Mensch werden, der sich seinem Essen ganz entfremdet? In diesem Sinne: Guten Appetit und gute Nacht!
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Auf jeden Fall! Wobei die Essenqualität eigentlich OK ist, wenn man ein kleines bisschen aufpasst. Was mich mehr stört, sind schlechte Tischmanieren, und das nervtötende Kaugummikauen. Schrecklich diese Wiederkäuer ;-) Ich [...] mehr...
Verallgemeinern sollte man selbstverständlich nicht. Aber ist es nicht zu oft so ? : Spaß haben : es darf schon etwas kosten. Ferien in der Sonne : es darf schon etwas kosten. Oktoberfest oder Karneval : es darf schon [...] mehr...
Ich gebe zu, daß ich viel eher bereit bin, auch unter der Woche etwas aufwendiger zu kochen und den Tisch etwas gepflegter zu decken, seit wir eine Spülmaschine unser eigen nennen. (Ein Hoch auf ihren Erfinder!) Die Vorbereitung [...] mehr...
Hallo chirin, schön dass es das doch noch gibt. Wir machen wahnsinnig gerne Brotzeit, aber nicht aus dem Papier und der Flasche. Wenn ich so sehe, wieviel Zeit vor dem TV verblödelt wird, dann kann das bisschen Abwasch den [...] mehr...
Hallo an alle, wollte mal auf folgendes Angebot aufmerksam machen: http://www.esskultur-berlin.de/esskultur/start.html Ich war schon mehrfach beim Märchenfrühstück in den Museen Dahlem in Berlin und war sowohl vom Essen als [...] mehr...
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