Von Christian Buß
Es gibt nur eines, was trauriger stimmt als Komiker, die nicht lustig sind: Komiker, die endlich ernst genommen werden wollen. Da liegt meist eine unglaubliche Verzweiflung in der Luft. So wie gestern am sehr, sehr späten Abend im Ersten, als die beiden Witzbolde Erkan Maria Moosleitner und Stefan Lust vor laufender Kamera ihre Witzboldkluft ablegten und erklärten, fortan unter ihren bürgerlichen Namen John Friedmann und Florian Simbeck als seriöse Schauspieler arbeiten zu wollen.
Als Möchtegern-Türken "Erkan & Stefan" hatten die Kanaksprach-Knallchargen mit drei Spielfilmen für immer größere Budgets immer weniger Zuschauer in die Kinos gelockt. Am Ende ihrer Karriere saßen die beiden beim Mini-Sender RTL 2 für eine Clipshow vor der Kamera und stritten vor Gericht gegen ein großes Fastfood-Unternehmen, das mit dem von ihnen verbreiteten Asi-Mantra "Voll krass" für eines seiner Fleischprodukte geworben hatte. Das Ende zweier Comedian-Karrieren. Der Wechsel ins ernste Fach, den Mitleids-Mime Moosleitner unter anderem mit einem Verweis auf method actor Robert De Niro verkündete, nimmt sich da nun mal wie eine Verzweiflungstat aus.
Es war also eine sonderbare Ansammlung von gestandenen und gestrandeten Spaßmachern, die Reinhold Beckmann unter dem Titel "Der Rosenmontag-Comedy-Gipfel" zu sich ins Hamburger Studio geladen hatte. Den ganzen Tag hatten sie in der ARD mit Live-Übertragungen vom Rhein geballte Ausgelassenheit in die Fernsehstuben der Nation gebracht, da wollte man an der Elbe wohl nicht allzu verkniffen norddeutsch debattieren und hatte sich zur Feier des Tages sogar ein paar Zuschauer aufs ansonsten protestantisch kahle Talkpodest gestreut. Gelacht wurde trotzdem nur in Maßen.
Altmeister der Albernheit
Das lag auch daran, dass Beckmann sein Publikum am Montag im Unklaren darüber ließ, was genau er eigentlich mit seiner Sendung bezweckte. Sollte das nun eine Leistungsschau oder eine Selbstbespiegelung des deutschen Comedy-Betriebs sein? Über weite Strecken fungierte der Moderator jedenfalls nur als Stichwortgeber für die geladenen Alleinunterhalter, die auf diese Weise ihre sorgsam präparierten Pointen setzen konnte. Später entfaltete sich dann schließlich doch noch ein bescheidener Diskurs über deutschen Humor im Allgemeinen und deutsche Humorarbeit im Besonderen.
Daran nicht ganz unschuldig war Dieter Hallervorden (71), von Beckmann als deutscher "Godfather of Comedy" vorgestellt. Man muss Hallervorden nicht witzig finden, doch lässt sich an ihm tatsächlich wunderbar das Wesen des Komikers studieren. So blinzelte der Altmeister der Albernheit ("Palim palim!") am Anfang gespielt salopp ein paar Witze raus, um danach umso strenger über die Techniken und Traditionen seines Metiers zu dozieren.
Scherzarbeiter alter Schule
Hallervorden ist ein Scherzarbeiter alter Schule, dessen scheinbar immer lustige krumpelige Visage sich nach getaner Arbeit in eine ganz unlustige kalte Oberlehrerfratze verwandeln kann. Ein bisschen erinnert er da an "The King of Comedy" in Martin Scorseses gleichnamigem Film. Man kann sich gut vorstellen, wie Didi, der selbsternannte Perfektionist, ungehalten wird, wenn ein Partner mal eine Pointe vermasselt. Dann gibt es Ärger. Denn jeder wahre Witzbold ist natürlich auch ein wahrer Tyrann.
Am Montag zeigte sich Hallervorden allerdings weitgehend von seiner weichen Seite. Schließlich handelte es sich beim Großteil der bei Beckmann geladenen Gäste um ehemalige Schützlinge, denen er einst in seinem eigenen Kabarett "Die Wühlmäuse" erste Auftrittsmöglichkeiten gewährte. Und so unterschiedlich zum Beispiel "Cindy aus Marzahn", ein wortgewandter White-Trash-Albtraum in Pink, oder Guido Cantz, die aggressive Karnevalskanone aus Köln-Porz, oder der Gesichts- und Verbalathlet Rick Kavanian in ihrem Humor auch sind – so verfügen sie doch über einen ähnlichen Professionalismus: Wo die Bühnenpersona endet und das wahre Ich anfängt, lassen sie geschickt im Vagen.
Comedy ist nun mal ein ganzheitlicher Geschäftsbereich. Sich die lustigen Käppis vom Kopf ziehen, so wie das Erkan Maria Moosleitner und Stefan Lust gestern bei Beckmann taten, zeugt da lediglich von fehlendem Professionalismus. Die Spaßmacherei ist eine verdammt ernste Angelegenheit, so einfach kommt man da nicht raus.
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