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28.02.2007
 

Millionenraub in Paris

Polizei rätselt über Picasso-Diebe

Unter mysteriösen Umständen sind in Paris zwei Picasso-Meisterwerke im Wert von 50 Millionen Euro gestohlen worden. Die Diebe entwendeten sie aus der Wohnung einer Enkelin des Meisters - ohne Spuren zu hinterlassen.

Paris - Die Ermittlungen zu dem mysteriösen Picasso-Raub wurden der auf Banden-Kriminalität spezialisierten Abteilung der Pariser Kripo übertragen. Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE teilte sie mit, sie dürfe derzeit keine Details zu den Ermittlungen preisgeben. Fest steht, dass es sich bei den geraubten Werken um das relativ kleine Bild "Maya à la poupée" (Maya mit Puppe) handelt, das Picassos ältere Tochter zeigt. Außerdem sei ein 170 mal 150 Zentimeter großes Porträt von Picassos zweiter und letzter Frau Jacqueline gestohlen worden.

Die Behörden konnten den Angaben zufolge am Tatort, der Wohnung der Picasso-Enkelin Diana Widmaier-Picasso im siebten Pariser Stadtbezirk, keinerlei Spuren eines Einbruchs entdecken.

Hoffnung auf einen lukrativen Weiterverkauf des Diebesguts können sich die Räuber jedoch kaum machen. Ingrid Blom-Böer, Leiterin des Art Loss Register Deutschland, der größten Datenbank für gestohlene Kunstwerke auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE nennt die Bilder auf dem Kunstmarkt unverkäuflich: "Jeder seriös arbeitende Galerist oder Sammler würde davon Abstand halten. Die Werke sind zu bekannt und zeigen ja auch sehr persönliche Motive." Noch könne man nicht sagen, dass die Bilder gezielt gestohlen wurden. "Vielleicht liegt auch ein familiärer Hintergrund vor." Sicher sei nur: "Auf Bestellung werden Kunstwerke fast nie geklaut. Sie sind Teil der kriminellen Welt - und werden als Mittel zur Hafterleichterung oder zur Geldwäsche genutzt."

Das 1938 entstandene "Maya mit Puppe" zählt zu Picassos klassischen Werken. Es zeigt seine im Jahr zuvor geborene Tochter mit grünen Haaren und blaugrünem Teint, wie sie in einem blauen Kleid mit roten Verzierungen auf einem braunen Boden sitzt. Im Arm hält die kleine Maya eine Puppe mit violettem Matrosenanzug. Seine Frau Jacqueline Roque, mit der Picasso von 1961 bis zu seinem Tod 1973 verheiratet war, hatte der Künstler noch ins hohe Alter in einer großen Serie porträtiert.

Der renommierte Kunsthistoriker und Picasso-Spezialist Werner Spies bezeichnete die gestohlenen Bilder als "wichtige Werke". In seiner vor einem Jahrzehnt in Stuttgart und Düsseldorf gezeigten Ausstellung "Picasso - Die Welt der Kinder" habe er auch ein Maya- Gemälde Picassos aus den dreißiger Jahren gezeigt, sagte Spies.

Höchstpreise auf dem Kunstmarkt

Legal auf dem Markt gehandelte Werke des Jahrhundert-Genies Picasso (1881-1973) erzielen auf dem internationalen Kunstmarkt Höchstpreise. Auf der Liste der zehn teuersten Gemälde der Welt ist der spanische Künstler gleich zwei Mal vertreten - an dritter und vierter Position. Sein teuerstes Gemälde ist mit einem Schätzwert von 107 Millionen Euro der "Junge mit Pfeife".

Immer wieder kommt es zu Diebstählen. So wurden 1989 in Südfrankreich zwölf Gemälde aus der Villa der Picasso-Enkelin Marina Picasso entwendet. Tage später wurden zwei Restaurantbesitzer als Täter verhaftet und die damals auf etwa 17 Millionen Dollar taxierten Bilder sichergestellt. 1994 wurden sieben Gemälde aus Picassos "Rosa Periode" und seiner "Blauen Periode" aus einer Galerie in Zürich geraubt. Ihr Wert wurde auf 44 Millionen Dollar veranschlagt. 2004 wurde ein Stillleben des gebürtigen Spaniers aus dem Pariser Centre Pompidou gestohlen; das Museum für moderne Kunst erhielt es Monate später wieder zurück.

Picasso hatte zeitlebens wie ein Besessener gearbeitet. Von seiner enormen Produktivität und Kreativität zeugt das künstlerische Erbe, das der 91-Jährige nach seinem Tod 1973 im französischen Mougins hinterließ: Fast 1900 Gemälde, 3200 Keramiken, 7000 Zeichnungen, 1200 Skulpturen und 30 000 Grafiken. Als Höhepunkt von Picassos Ausdruckskraft gilt sein Meisterwerk "Guernica", das er für die Weltausstellung 1937 in Paris schuf.

albi/hoc/AFP/dpa

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