Die meisten Bilder auf dem SPIEGEL ONLINE-Portal von "Designklicks" haben mit unserem modernen Lifestyle zu tun: Urbanes Leben oder ländliche Idylle als Gegenpol, Schnappschuss oder Selbstinszenierung – der Mensch steht hier eindeutig im Mittelpunkt. Darüber hinaus etabliert sich eine neue subjektive Fotografie, die eindeutig über das bloße Abbild hinausgeht. Diese Interpretation und Inszenierung von Realität ist sowohl befremdlich als auch humorvoll und oft digital hergestellt. Einige dieser Motive driften auch in eine morbide Ästhetik mit surrealem Bildinhalt, so dass man meinen könnte, Guantanamo und Abu Ghuraib hätten auch ästhetisch Spuren hinterlassen.
Als eigenständig hat sich eine Form der Bildästhetik etabliert, die den medialen Brückenschlag zwischen Fotografie, Illustration und Grafik Design verkörpert und zwar nicht im Dienste eines Layouts, sondern als eigenständige Bildidee. Motive dieser Art zeichnen sich durch schrille Farben, märchenhafte Inhalte und eine freundliche Anmutung aus.
Glamour und Mode haben inhaltlich und ästhetisch großen Einfluss in der professionellen Fotografie, was sich sowohl qualitativ, als auch quantitativ im "Designklicks"-Bildpool zeigt: Inszenierung, Überhöhung und Stilisierung sind dabei die Leitmotive. Fast nahtlos an dieses Sujet schließt sich die Portrait- und Aktfotografie an. Jedoch losgelöst von der Modefotografie steht hier die reine Schönheit im Vordergrund. Was zwar zu vermuten wäre, aber dennoch erstaunt, ist, dass dieser fotografische, die Schönheit anbetende Blick, sich ausschließlich auf die Frau richtet, nicht auf den Mann.
Überraschend ist dagegen der geringe Anteil an Autos: "Liebstes Kind der Deutschen", Statussymbol und Designobjekt. Dennoch bilden weniger als 1,5 Prozent aller Motive Autos ab.
Bemerkenswert erscheint auch, dass der allgemeine Asien-Boom sich noch nicht auf die Bildsprache durchgeschlagen hat. Die bisherigen Motive dieser Art sind eher staunende Mitbringsel von Reisen.
Tradition kaum mehr gefragt
All diese Motive sind im dreidimensionalen "Wertekosmos" von "Designklicks" verankert, in dem jedem Bild passende Adjektive zugeordnet werden können. Doch was passiert an der Oberfläche? Wie reagieren die Internet-User auf das, was ihnen von den Kreativen geboten wird? Das Public Rating gibt Aufschluss: Die Top100 setzen sich aus Motiven urbanen Alltaglebens, Stadtlandschaften, schönen Frauen und verschiedensten Portraits zusammen.
Die Schwerpunkte liegen bei Sinnlichkeit (28 Prozent) und Fremdheit (35 Prozent). Genauer gesagt, es gibt Anhäufungen um die Begriffe "sanft-vergnügt-poetisch", "verträumt-intim-sexuell", "verspielt-emotional" und eine Achse von "kreativ-herausfordernd" bis "städtisch-eigenartig-eigenwillig".
Weniger gefragt sind zurzeit Werte wie "traditionell", "ehrenhaft", "standhaft" oder "würdevoll". Aber auch rationale Eigenschaften wie "kooperativ-erfinderisch-technologisch-blau" stoßen auf wenig Interesse.
Der Zeitraum von fast zwei Jahren scheint noch etwas zu kurz zu sein, um im Wertekosmos selbst dramatische Bewegungen auszuloten. Von Mitte 2005 bis 2007 lassen sich jedoch Tendenzen erkennen:
Die sachlich unterkühlte, anämische "BrandEins"-Bildästhetik, die Ende der Neunziger vorherrschte, ist nicht mehr aktuell. Stattdessen nimmt der Anteil an "Real Life" zu. Die Fotografen beschäftigen sich zunehmend mit dem, was sie im Alltäglichen umgibt oder ihnen auf Reisen begegnet. Aus diesem Potpourri strahlt ein Lebensgefühl, das emotionaler, direkter und realer erscheint als noch vor einigen Jahren. Die Lust an der Inszenierung ist dabei deutlich spürbar, bis hin zur traumhaften Umdeutung der Wirklichkeit.
fdob
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