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15.03.2007
 

Künstler-Kult

Die neun Leben des Martin Kippenberger

Martin Kippenberger war routiniert - im Boykott von Routinen. Mit seiner anarchischen Ästhetik provozierte er regelmäßig den Kunstbetrieb. Zehn Jahre nach dem Tod des Neuen Wilden wird seine Bedeutung heißer diskutiert denn je.

Nicht nur Katzen haben neun Leben. Wenn an diesem Spruch etwas dran ist, dann gilt er wohl auch für Martin Kippenberger. Kaum einer der Künstler, deren Karriere in den Achtzigern startete, hat solch ein Revival erlebt wie er. Nicht nur die Anzahl seiner Fans ist bemerkenswert. Einmalig sind auch die völlig unterschiedlichen Beweggründe für ihre Begeisterung: Jeder von uns kann auf eine der vielen Seiten Kippenbergers anspringen, so scheint es. Und während man über seine Wichtigkeit für die Nachwelt diskutiert, wird mit jeder Interpretation seines Schaffens ganz nebenbei der jeweilige Standpunkt seiner verschiedenen Anhänger untermauert.

Während man über Wichtigkeit von Martin Kippenberger für die Nachwelt diskutiert, wird mit jeder Interpretation seines Schaffens ganz nebenbei der jeweilige Standpunkt seiner verschiedenen Anhänger untermauert. Vom Markt bis zu den Medien, vom Lifestyle bis zur Legendenbildung bieten sein Werk und Leben genug Stoff für endlose Erläuterungen und Meinungsverschiedenheiten darüber, worin seine grundlegende Bedeutung nun eigentlich besteht.

Natürlich hängt diese paradoxe Situation auch mit dem ganz bewusst gewählten Außenseitertum des Künstlers zusammen, mit seinem eigenbrötlerischen Verhalten und seiner unverwechselbaren Produktion. Kippenbergers einzige Routine war es, keiner Routine zu folgen. Als Resultat stehen wir heute einer gigantischen und absolut vielfältigen Ansammlung seiner Werke gegenüber.

Damit nicht genug: Wenn man sich die Ausstellungen ansieht, die sich Jahr für Jahr seinem Werk widmen, fällt auf, dass jede einzelne das Bild in Frage stellt, was man sich gerade noch aufgrund der vorherigen Schau gemacht hatte. Kippenberger erfand sich immer wieder neu und revidierte sich ständig selbst. Es scheint also mehr als angemessen, dass die aktuelle Wiederauferstehung dieses beständige Neu-Lesen weiterführt. Vielleicht hilft hierbei ein kurzer Abriss über die vielen Leben des Künstlers.

Jessica Morgan inszenierte die große Kippenberger-Retrospektive in der Londoner Tate Gallery

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