Von Bodo Mrozek
Sagen wir es frei heraus: Es steht nicht gut um den deutschen Dackel. Wie berichtet, alarmiert eine schlechte Nachricht derzeit nicht nur Hundefreunde: Im Jahr 2005 wurden nur 7300 Dackelwelpen geboren. Zum Vergleich: Noch 1996 waren es noch 12.000. Was ist los in deutschen Hundehütten? Droht der deutschen Dackel-Demographie womöglich ein Kampfhund-Komplott? Stirbt der Dackel demnächst aus?
Der Verlust wäre beträchtlich. Denn der Dackel ist mehr als nur irgendeine Hunderasse. Schon dem Buch "Unsere Dackel - unsere Freunde" (1971) gilt er als der Individualist unter den Hunden. "Seine Originalität, seine pfiffige Schläue, seine Gutmütigkeit, aber auch seine unerschrockene Tapferkeit stempeln ihn zum liebenswerten Individualisten", heißt es dort. Der Dackel oder auch Dachshund gilt nicht nur als treue Hundeseele, sondern auch als ungewöhnlich schlau. Auch wenn das vom Internationalen Dackelclub Gergweis herausgegebene Standardwerk mit Recht darauf hinweist, dass der Dackelhund "nicht Zusammenhänge logisch erdenken und beurteilen" könne.
Er gilt als ausgesprochen geeignet für die Jagd, aufgrund seines ungewöhnlichen Mutes auch für das so genannte Auftreiben von Dachsen. Mit spitzer Schnauze spürt der Dackel den Dachs im engen, verzweigten Bau auf und treibt ihn an die Oberfläche und vor die Flinte des Jägers. Andere Hunde verließe in den engen Röhren des Baus der Mut. Unter den Jagdhunden gilt der Dachshund als ausgesprochen dickköpfig. Unter Waidmännern gilt deshalb die Spruchweisheit: "Wir haben einen Hund und außerdem einen Dackel."
Bekannt ist der Dackel auch unter den Synonymen Zamperl und Teckel. So nannte man im 20. Jahrhundert einen Wachtmeister oder Gendarm, auch einen berittenen Polizisten. Dieser hat seinen Spitznamen jedoch weniger vom wachsamen Dackelhund, sondern vom gleich lautenden Wort Deckel - der umgangssprachlichen Bezeichnung für Polizeimütze oder den ledernen Polizeihelm Tschako.
Wahrzeichen "Waldi"
Populäre Bücher wie "Der kleine Dackel Haidjer" oder filmische Werke der Nachkriegszeit wie "Liebe auf krummen Beinen" mit Sonja Ziemann und Walter Giller verliehen dem Dackel-Tier geradezu menschliche Züge. In der erweiterten Kulturgeschichte dagegen, spielt er eine eher untergeordnete Rolle. So war es der Unaussprechliche selbst, der sich einem bekannten Werk deutscher Dichtung als Hund getarnt in ein Studierzimmer schlich des Pudels und nicht des Dackels Kern. Aber auch diese Hunderasse dürfte schon bessere Tage gesehen haben.
Bleibt die Frage, warum ausgerechnet der Dackel als deutsches Wahrzeichen gilt. Übergewichtig schnauft er auf seinen kurzen Beinen durch die Welt, er schwitzt stark und schläft bis zu 20 Stunden am Tag. Auch hat er eine durch Überzüchtung bedingte, ausgeprägte Neigung zu Bandscheibenvorfällen. Im Ausland ordnet man den Dackel ganz selbstverständlich den Deutschen zu: Die japanische Nationalmannschaft hielt sich zur WM einen leibhaftigen Dachshund, der auf den sprechenden Namen Erwin Rommel hört.
Noch 1972 wurde ein Dackel mit dem beliebten Hundenamen "Waldi" als Maskottchen für die Olympischen Spiele in München auserkoren. Nach Angaben der Welt Union Teckel (WUT) war dies ein gutes Hundejahr. 28.000 Dackel-Welpen erblickten das Licht der Welt - eine Population, von der heutige Züchter nur träumen können. Experten geben die Schuld am drastischen Geburtenrückgang der durch Züchtung erzielten neuen Artenvielfalt und natürlich der Vorliebe für wehrhaftere Hunderassen, die sich notfalls auch als Waffe einsetzen lassen.
Auch Florian Langenscheidt war der Dackel in seinem umstrittenen Kompendium "250 Gründe, unser Land zu lieben" einen Eintrag wert. Könnte sein, dass es künftig nur noch 249 Gründe bleiben. Immerhin gehören dazu so gewichtige Gründe wie Pfanni-Knödel und Veronica Ferres.
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