Jetzt kommt Entspannung in die Sache nach all dem Streit um Mord und Totschlag. Und ja, wir können sogar ein bisschen stolz darauf sein. Die deutsche Konsenskultur grenzt niemanden aus. Wirklich niemanden. Und wenn es mal mit Toleranz und Liberalität, mit dem Wir-können-doch-über-alles-reden ein wenig hapert, dann springt garantiert ein alter 68er ein, der sich mit so was auskennt.
Einer wie Rainer Langhans, derzeit 66, der Stefan Raab der Kommune 1 von 1967/68, zeitweiliger Lebensgefährte von Uschi Obermaier und lebenslanger Sucher von Glück und Wahrheit.
Seit Jahrzehnten schon praktiziert er in einer Art Mehrfrauenkommune in München, die nur bornierte bürgerliche Spötter einen "Harem" nennen.
Zuletzt fiel der stets weiß gekleidete Langhans in der Talkshow "Beckmann" auf, als er, nach einer kleinen Pause von 35 Jahren, das nicht ganz konfliktfreie Beziehungsgespräch mit der gleichfalls anwesenden Uschi Obermaier wieder aufnahm, deren Leben gerade verfilmt worden war. Nahtlos, intensiv und wortgewaltig wie stets, unser Langhans, und immer noch von der Frage gequält, ob er damals gut war im Bett.
Am Ende aber küssten sich die beiden vor der Kamera und viele ältere Deutsche hatten Tränen in den Augen. In gewisser Weise sind die beiden Kommunekinder bis heute das revolutionäre Traumpaar der Bundesrepublik, jung, links und sexy. Die Nachgeborenen müssen mit Angela Merkel und Kurt Beck vorlieb nehmen.
Doch wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch, sagt Hölderlin. Das Rettende aber ist die Versöhnung, sagt Langhans, und nun ist die RAF an der Reihe. Genauer: die eben erst, nach mehr als 24 Jahren Haft, in die Freiheit entlassene Terroristin Brigitte Mohnhaupt, die gewiss alles andere ist als die Uschi Obermaier der RAF. Sie wäre eher die Ulrike Meinhof der Kommune 1 gewesen oder die Margot Honecker der umherschweifenden Haschrebellen.
Doch man kennt sich aus gemeinsamen Kommunetagen im München der sechziger Jahre. "Brigitte, komm in meinen Harem – nur zum Schnuppern" ruft via Münchner "Abendzeitung" der Ex-Kommunarde der einstigen Genossin und Ex-Terroristin zu, die sich, wie man hört, eigentlich in Karlsruhe niederlassen will. Einen Job hat sie angeblich auch schon: bei einem Autozulieferer.
Doch der Beziehungsguru und Lebensweise Langhans weiß es besser: "Nach so langer Gefangenschaft sind sicherlich Bedürfnisse bei ihr vorhanden, zu denen auch Sexualität gehört." Da ist was dran, und in Karlsruhe ist sie da eindeutig falsch. Erst recht bei einem Autozulieferer. Das muss man klar sehen.
Einfach so zurück in eine badisch-bürgerliche Existenz – das führt in die Sackgasse. Denn auch Brigitte Mohnhaupt gehört "weiter zur Familie der Sucher", also zur weltweiten Kommune der Anderslebenden und Andersdenkenden. Das erkenntnisleitende Motto könnte man schöner nicht formulieren: "Wer intensive Beziehungsarbeit – die auch eine Form von Terror sein kann – zu leisten bereit ist, erlebt das Paradies von morgen." (Langhans)
Wenn das keine wunderbare Brücke ist: Resozialisierung als Revolutionierung – vom Terror zur Beziehungsarbeit und zurück. Terror und Beziehungsarbeit – ein Kampf. Ein ewiger Kreislauf des Suchens und Ausprobierens. Die Bewährung des Revolutionärs als Schwerstarbeit an der Utopie vom Glück. Man kommt ins Schwärmen und Träumen. Einfach nur schön.
Brigitte Mohnhaupt sollte sich das Schnupperangebot sehr genau überlegen. "Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder!", singt Zarah Leander.
Wir aber müssen weiter denken. So wie Claus Peymann, Intendant des "Berliner Ensembles", der RAF-Beziehungsarbeiter Christian Klar ein Praktikum an seinem Theater anbot, falls er über eine Begnadigung durch den Bundespräsidenten vorzeitig aus dem Gefängnis komme. Das seien doch schließlich "unsere Leute", die "unsere" Träume nur ein bisschen radikaler als wir verfolgt hätten.
Und so ist die Forderung des Tages klar wie Christian: Genossinnen und Genossen draußen im Land, übernehmt Patenschaften für gefallene Revolutionäre! Kümmert Euch! Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
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Was für ein dämliches Argument. Es gab auch Nazis mit idealistischen Motiven. Fast alle politischen Extremisten halten sich für "Idealisten". Die denken sich ein Ideal aus und bringen dann nicht nur ihre Gegner, [...] mehr...
Bei aller Grausamkeit dieser Personen, lagen doch ihrem Handeln auch idealistische Motive zugrunde. Wenn eine solche Person in der Haft verstanden hat, was sie getan hat, sehe ich eigentlich keinen Grund nicht auch zu verzeihen, [...] mehr...
Zum Glück gab es dies bezüglich den Vatikan, und von diversen Diensten geförderte Flucht von Nazis. Deren Enkel widerum heute in Europa leben, und die Ethik versuchen hier und heute umzusetzen. mehr...
Ich freue mich, einen objektiven Beitrag zu sehen,und nicht immer die Beitraege von Klein-CDU-Moritzen ( oder SPD-MORITZEN, die sind identisch ). Kennen Sie Faelle, bei denen entlassene EX-RAF erneut straffaellig geworden sind [...] mehr...
Es wäre schön (gewesen), wenn Sie hier einen Punkt gesetzt hätten. Denn die Demaskierung läuft nur darüber, dass Verbrecher als solche dargestellt und veruteilt werden. Damit lässt sich auch die "Faszination" [...] mehr...
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