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03.04.2007
 

"Tagesthemen"-Nachfolge

Caren Miosga - Erbin mit Ironie-Anspruch

Nun ist es also offiziell: NDR-Kulturmoderatorin Caren Miosga wird die neue Anne Will. Eine grundsätzlich sympathische Entscheidung – mit ein paar kleinen Fragezeichen, findet SPIEGEL-ONLINE-Autor Peter Luley.

Es mag nicht das allerwichtigste Kriterium sein, aber eine erstaunliche Parallele ist es schon: Auch Caren Miosga beherrscht die von Anne Will perfektionierte Kunst des Augenbrauenlupfens. Wer die amtierende Moderatorin des ARD-Kulturmagazins "ttt - Titel, Thesen, Temperamente" schon mal beim Ansagen eines Beitrags über ein ihrer Meinung nach überschätztes oder wie auch immer missratenes Kunst-Phänomen gesehen hat, weiß, dass die auf der heutigen Sitzung der ARD-Granden in Stuttgart offiziell zur Will-Nachfolgerin ausgerufene Dame der dezent signalisierten Ironie ähnlich zugetan ist wie ihre Vorgängerin.

Moderatorin Miosga: Ketzerischer Keck und Spiel mit der Augenbraue
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ARD/Thorsten Jander

Moderatorin Miosga: Ketzerischer Keck und Spiel mit der Augenbraue

"Tja, man verkauft für eine Alliteration ja gern mal seine Großmutter", kommentierte Miosga im Interview vor fast genau einem Jahr bei ihrem Dienstantritt als "ttt"-Moderatorin die vereinheitlichte Betitelung der zuvor unterschiedlich benannten ARD-Kulturmagazine - und das, obwohl sie genau jener Formatierungs-Maßnahme ihren neuen Job und den Sprung vom dritten ins erste Programm verdankte. So viel ketzerischer Keck ist selten bei der ARD - und sicher keine schlechte Voraussetzung für die neue Aufgabe beim Nachrichtenflaggschiff "Tagesthemen".

Was die fachliche Kompetenz und den journalistischen Hintergrund angeht, so ist die im niedersächsischen Peine geborene, in Hamburg lebende Slawistin und Historikerin sehr eindeutig in der Kultur verortet: Seit 1999 arbeitet sie für den NDR, moderierte vor der "ttt"-Beförderung, die sich direkt an eine Babypause anschloss, zunächst das "NDR-Kulturjournal" und dann das Medienmagazin "Zapp". Als ihr thematisches Steckenpferd gab Miosga, die neben dem Studium als Reiseleiterin in Moskau und St. Petersburg arbeitete und nächste Woche 38 wird, bei der "ttt"-Beförderung "östliche Kulturthemen" an.

Als Interviewerin ist sie bisher nicht unbedingt hervorgetreten. Angesichts dessen stellt sich die Frage, ob sie für die geübten Phrasendrescher der großen Politik wohl tough und routiniert genug ist, ob sie - bei aller Lust an der Süffisanz - etwa die Chuzpe besäße, wie einst Anne Will bei Altkanzler Gerhard Schröder standhaft zu bleiben und über nicht abgesprochene Themen zu reden.

Konsequenter Neuanfang

Andererseits hat sie in einem Casting die Expertengruppe der ARD-aktuell-Redaktion für sich gewonnen - und Anne Will kam schließlich auch von der "Sportschau", einem ebenfalls nicht gerade Politik-affinen Bereich, zu den "Tagesthemen". Lediglich der Umstand, dass Miosga sich zu dem noch immer nicht ganz in seiner Rolle angekommenen, allzu brav und bubenhaft wirkenden Uli-Wickert-Nachfolger Tom Buhrow gesellt und somit demnächst gleich zwei Moderatoren durch Deutschlands renommierteste Nachrichtensendung führen, die sich ihrer selbst noch nicht ganz sicher sind, ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Für ARD-Verhältnisse ist es geradezu gewagt. Es ist aber wiederum auch ein konsequenterer Neuanfang, als es eine Berufung der zunächst gehandelten Kandidatinnen Sandra Maischberger und Gabi Bauer - die jeweils absagten - gewesen wäre.

Und wer wollte der ARD ausgerechnet Wagemut zum Vorwurf machen? Zumal sich die Intendanten jetzt auch noch zu einem Sendeplatz im Ersten für Frank Plasbergs WDR-Talkshow "Hart, aber fair" durchgerungen haben: Für ihn wird der Sendeplatz am Mittwoch zwischen 21.45 Uhr und 23 Uhr reserviert. Eines jedenfalls ist jetzt schon sicher: Der Abschied von Sabine Christiansen und die spektakuläre Absage ihres designierten Nachfolgers Günther Jauch haben den öffentlich-rechtlichen Senderverbund ordentlich durchgerüttelt - und zwar nicht unbedingt zum Schlechtesten. Wie für alle in diesem Zusammenhang getroffenen Personal-Entscheidungen gilt auch für Caren Miosga: Man darf optimistisch und gespannt sein.

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