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28.04.2007
 

Guggenheim-Schau "Affinities"

Wenn Kunst und Kapital sich paaren

Von Michaela Zin Sprenger

Rendezvous ungleicher Partner: Vor zehn Jahren gaben sich Deutsche Bank und Guggenheim Foundation das Ja-Wort - sie wurden zur Deutschen Guggenheim Berlin. In der Ausstellung "Affinities" wird die Zweckehe nun mit 14 Kunst-Paaren gefeiert.

Zwei Bilder an die Wand zu werfen und dann zu vergleichen, das hat Methode. Kunsthistoriker schulen seit Generationen so ihren Kennerblick. In der Regel ist der gemeinsame Nenner beim so genannten Vergleichenden Sehen allerdings auf den ersten Blick klar. Ariane Grigoteit, die Direktorin der "Deutsche Bank Kunst", macht es einem da ein bisschen schwerer. Sie verkuppelt mitunter auch scheinbar ungleiche Paare miteinander. Auf dem ersten Blick scheint die Kuratorin von "Affinities" sie nach dem Motto "Gegensätze ziehen sich an" zusammengestellt zu haben.

Anlass für die Schau ist die 1997 geschlossene Kunst-Ehe zwischen der Salomon R. Guggenheim Foundation und der Deutschen Bank, deren Kunstsammlung rund 50.000 Kunstwerke umfasst. Der gemeinsame Name ist seitdem Deutsche Guggenheim mit einer 510 Quadratmeter großen Ausstellungshalle in Berlin in der Nähe der Museumsinsel.

Insgesamt werden in der Geburtstagsausstellung 14 Kunstpaare aus Neuankäufen der Sammlung der Bank und Meisterwerken aus der Guggenheim-Sammlung gezeigt. "Affinities" ist der Auftakt zu einer Ausstellungsserie, die künftig jedes Frühjahr zwischen April und Juni die Neuerwerbungen der Deutschen Bank zeigen soll.

Ein harmonisches Duo fällt besonders ins Auge: Die 1948 geborene Künstlerin und diesjährige Biennale-Teilnehmerin Isa Genzken wurde mit Kurt Schwitters verkuppelt. Schwitters starb 1948, dem Geburtsjahr von Genzken. "Er ist der Meister des 20. Jahrhunderts, sie könnte die Meisterin des 21. Jahrhunderts werden", erläutert Grigoteit ihr Arrangement. Beides seien "manische Künstler" und ähnelten sich in ihrer Arbeitsweise. Genzken als Fortführung Schwitters - das klingt nach einer perfekten Liaison.

Ungleiche Paare

Ein anderes Paar dagegen scheint überhaupt nichts gemeinsam zu haben: Dem 1978 in Athen geborenen Künstler Diamantis Sotiropoulos wurde der französischen Expressionist Robert Delaunay (1885-1941) als Sparring-Partner zugewiesen. Auf den ersten Blick scheint das wenig Sinn zu ergeben - das eine Bild ist abstrakt und bunt, das andere ist gegenständlich und schwarz-weiß mit ein bisschen Gold und Silber. Auf Sotiropolous Bild beißt ein schwarzer Hund einen weißen in den Nacken, während er ihn von hinten bespringt. Dem steht Delaunays farbenfrohes Gemälde "Rhythme, joie de vivre" (Rhythmus, Lebensfreude) von 1931 gegenüber. Farbige Kreise auf streng geometrisch eingeteilten Flächen täuschen dank eines geschickten Spiels mit Komplementärfarben Bewegung vor.

Eine Verbindung zwischen dem Griechen und dem Franzosen erschließt sich nach einigem Hin- und Herrätseln: In Sotiropoulos Bild mit dem "The strong did what they could and the weak suffered what they must" (Die Starken taten was sie konnten, die Schwachen ertrugen was sie mussten) geht es um Unterwerfung und Unterordnung. Delaunay wollte mit seinen Werken eine reine Malerei, also mit harmonischen Farben und Flächen schaffen. Das erforderte die strenge Einteilung von Flächen und einen exakten Umgang mit Farben. Delaunay befolgte ein striktes kompositorisches Regelwerk und arbeitete innerhalb eines strengen Korsetts.

Nie gesehene Werke

Einige der Exponate werden zum ersten Mal überhaupt gezeigt. "Drehung" von Sigmar Polke aus dem Jahr 1979, dem Gründungsjahr der Bankensammlung, ist so ein Fall. "Ich wollte es unbedingt dabei haben. Es zeigt so auf den Punkt gebracht, was die Zeit ausmachte", sagt Grigoteit. Das Bild hängt normalerweise im Hauptsitz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Wegen "seiner Fragilität" wird das 2,30 Meter mal 2 Meter große Gemälde, auf dem mehrere Abbildungen eines Geschäftsmanns mit einem Päckchen in der Hand eine Spirale beschreiben, normalerweise nie in Ausstellungen geschickt.

Ebenfalls hinter sicheren Türen vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen ist normalerweise Jörg Immendorffs Ölgemälde "Verwegenheit stiften" von 1981. Der "vereiste Stern", wie Grigoteit es nennt, hängt sonst im Dienstzimmer von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) - als Leihgabe.

Bisher wurde mindestens einmal im Jahr ein Künstler ausgewählt, der eine speziell für den Ausstellungsraum angefertigte Arbeit präsentiert - modernes Mäzenatentum. Aufträge direkt für die Sammlung Deutsche Bank sind allerdings ein Novum. "Ich habe das bisher immer vermieden", sagt Grigoteit. Für das zehnjährige Bestehen machte sie allerdings eine Ausnahme. Der österreichische Künstler Erwin Wurm fotografierte Thomas Krens, den Direktor der Solomon R. Guggenheim Foundation unter dem ironisch-selbstbezüglichen Titel: "Don't trust your curator".

Grigoteits persönliche Favoriten in der Geburtstagsschau bleiben ihr Geheimnis: "Da bin ich wie eine Mutter, ich kann doch meine Lieblingskinder nicht verraten."


"Affinities", Deutsche Guggenheim Berlin, 28. April bis 24. Juni

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