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28.04.2007
 

Kunst gegen Terror

Die Mauermaler von Bagdad

Die heftig umstrittenen Schutz- und Trennmauern in Bagdad hat eine Gruppe von Künstlern als Leinwand-Ersatz entdeckt. Überall in der vom Krieg zerrütteten Stadt bemalen sie die Betonwälle, die Sunniten und Schiiten trennen und Explosionsradien verringern sollen.

Baqir al-Sheik ist ein Mann mit einer Vision für seine Heimatstadt. Die Betonwälle, die Bagdad zerschneiden, will al-Sheik in gigantische Leinwände verwandeln. Die Iraker möchte er an ihre Geschichte und die Schönheit ihres Landes erinnern. "Hoffentlich wird das ein paar Leute daran erinnern, dass es auch gute Nachrichten in unserem Land gibt, nicht nur schlechte", sagte der Maler "USA Today".

Gemeinsam mit 40 Kollegen hat al-Sheik begonnen, die Betonwände, die Viertel voneinander trennen und Explosionsradien begrenzen sollen, mit großformatigen Wandgemälden zu überziehen. Die Maler, die in der gebeutelten Hauptstadt wenig zu tun haben, sind froh über die Aufgabe – und die Bewohner freuen sich augenscheinlich über die Abwechslung in der staubig-grauen Stadt.

Die Schutzwälle sind in den vergangenen Monaten heftig diskutiert worden – das US-Militär hatte begonnen, ein sunnitisches Viertel komplett einzumauern, um Zusammenstöße mit den Schiiten aus der Nachbarschaft zu verhindern. Premierminister Nouri al-Maliki ordnete jedoch einen Baustopp an, weil er keine weitere Teilung der Stadt in sunnitische und schiitische Viertel dulden wollte.

"Wir können sie wenigstens verschönern"

Schon jetzt stehen in Bagdad kilometerlange Mauern, die Hotels, öffentliche Gebäude und auch viele Wohnviertel umgeben. "Diese Schutzmauern sind zu einem lästigen Teil unseres traurigen Lebens geworden", zitiert "USA Today" einen Schreibwarenhändler. Er fühle sich in seiner Stadt manchmal wie auf einer Militärbasis.

Al-Sheik: "Wir können die Mauern nicht in nächster Zeit abbauen. Also können wir sie wenigstens verschönern." Eine internationale Organisation habe den Plan gehabt, einige der Mauern vollständig in einer Farbe anzustreichen. Als er davon gehört habe, habe er Kontakt mit der Organisation aufgenommen und stattdessen das Wandbild-Projekt vorgeschlagen. Mit 10.000 Dollar seien er und seine Mitstreiter nun unterstützt worden.

Seit dem 4. April sind die 40 Männer mit Pinsel und Farbeimer in den Straßen der Stadt unterwegs, malen ländliche Landschaften, Bilder von Fischern und Bauern oder historische Szenen. An den Wandmalern scheint, was Motive und Gestaltung angeht, die Moderne spurlos vorübergegangen zu sein.

Begonnen haben die Mauermaler mit den Schutzwällen rund um das Bagdad Hotel, andere Wände sollen folgen, wenn das Geld reicht. Er hoffe, dass die Iraker ein Hoffnung aus den Bildern ziehen könnten, sagt al-Sheik. "Sie brauchen ein bisschen Freude in ihrem Leben, weil die Freude hier Tag für Tag weniger wird."

cis

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