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Feminismus-Debatte Als Vati über Mutti rollte

3. Teil: Auch ein Softie hat Grenzen

Von heute aus begreift man leichter die subtile historische Dialektik, die sich in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts vollzog. Denn nach einiger Zeit stellten auch die verständnisvollsten und dialogbereitesten Softies fest, dass sie Grenzen des Verständnisses ziehen mussten, um ihre eigene, was sonst: männliche Identität zu wahren.

Hier und da hatten sie zudem stirnrunzelnd bemerkt, dass auch feministisch gesonnene Frauen ein durchaus begehrliches Auge auf die Lederjackentypen warfen, die sonst so verachteten Chauvis. Gerade durch ihr Festhalten an archetypischen Mustern aus dem Pleistozän der Menschheitsgeschichte strahlten sie offenbar etwas Fremdes, Urtümlich-Exotisches, Verführerisches aus.

Der Schriftsteller Peter Schneider ("Lenz") beschrieb damals diese schräge Gemengelage als ziemlich undankbare Aufgabenteilung: Nach unglücklich verlaufenen Affären mit den harten Kerls wurden die liebeskranken Frauen von den sensiblen Softies getröstet, was wiederum zu Schmähungen seitens der Chauvis führte, dies sei eine "ganz linke Masche", "fiese Anmache" durch die Hintertür.

Doch Schneider stellte die Frage nach der "Emanzipation des Mannes" zu Recht: "Wie aber sollen die Männer lernen, ihre Verletzbarkeit auszudrücken, wenn auch noch der Kampf gegen den von Männern erfundenen Kapitalismus von ihnen ›unnachgiebige Härte‹ verlangt?"

Dass der unnachgiebige Kampf gegen das Kapital heute nur noch von einer kleinen Minderheit betrieben wird, macht die Frage nicht obsolet. Immer noch und zu Recht werden von Männern divergierende, ja, teils widersprüchliche Eigenschaften verlangt.

Nicht zufällig wurden flusenpullibewehrte Stoffel-Softies in den neunziger Jahren zu bevorzugten Objekten von Comedy und Kabarett - genau in dem Augenblick übrigens, da immer mehr Frauen Comedy und Kabarett machten.

Wie Schneider gehörte auch ich (ohne Flusenpulli) zeitweise zu diesen tragikomischen Frauenverstehern, und ich erinnere mich noch, dass es mir irgendwann zu dämmern begann: Beziehungsdiskussionen, Selbstkritik und argumentative Vernunft, so wichtig sie sind, bestimmen das Leben nicht alleine. Schon gar nicht das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, das jahrelang unter dem verkrampft pseudosoziologischen Begriff der "Verkehrsformen" abgehandelt wurde.

Und so begannen in den achtziger Jahren die Mühen der Ebene, die Entfaltung der Dialektik der Emanzipation. Die jahre- und jahrzehntelangen unzähligen kleinen und großen Auseinandersetzungen hatten, ganz im Hegelschen Sinne, etwas Vorwärtstreibendes, zugleich Synthetisierendes und Integrierendes. Ungefähr parallel zur Parlamentarisierung der Grünen wurde auch der pragmatische Feminismus gesellschaftsfähig, mit und ohne "Gender Mainstreaming".

Selbst den hartnäckigsten Chauvis dämmerte inzwischen, dass sie ein historisches Auslaufmodell waren, Höhlenmenschen aus einer anderen Menschheitsepoche - was nichts daran ändert, dass die Dämmerung bei einigen dieser hier und da sogar nachwachsenden Spezies zum Dauerzustand geworden ist.

Das Freiheits-Prinzip

Inzwischen aber waren die Frauen buchstäblich überall. Im Fernsehen und in den Verlagen, in Forschungseinrichtungen und Anwaltskanzleien, in Werbeagenturen und in der Politik. Auch wenn es dauerte - spätestens in den neunziger Jahren hatte sich eine neue Normalität etabliert, die auf vielen unterschiedlichen Wegen zustande kam.

Zusammen mit dem, was Soziologen die "Individualisierung der Lebensstile" und die Auflösung alter Klassenstrukturen nennen, ergab sich eine historisch einmalige Situation: Immer mehr Menschen, Männer wie Frauen, konnten ihr Leben selbst bestimmen - soweit das auf Erden möglich ist.

Sie genossen eine bislang unbekannte existentielle Wahlfreiheit, wozu auch der wachsende Wohlstand beitrug. Eine neue Souveränität, die aufs Engste mit jenem Freiheitsbegriff der europäischen Aufklärung verbunden ist, der Freiheit als Freiheit von Zwang, Abhängigkeit und jeder Art von Unterwerfung versteht.

Die Gleichberechtigung von Frau und Mann, im Grundgesetz von 1949 längst festgeschrieben, wurde allmählich, Stück für Stück Realität. Natürlich konnten nur TräumerInnen (!) glauben, das Ziel, wie immer man es exakt definieren und sein Erreichen "messen" könnte, sei zum Greifen nahe. Noch heute, im Sommer 2007, muss man Frauen in den Top-Positionen der Wirtschaft mit der Lupe suchen. Gerade in der Medien- und Verlagsbranche, in der besonders viele Frauen arbeiten, gibt es fast keine Vorstandsvorsitzende, Chefredakteurin oder Verlagsgeschäftsführerin.

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