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Feminismus-Debatte Buttermutter und Rippenmädchen

4. Teil: Catwalk zwischen An- und Enteignung

Heidi Klum hat mittlerweile eine zweite "Top Model"-Staffel hinter sich gebracht. Man kann sich das Projekt als Endlos-Serie vorstellen, eine Lindenstraße der Mannequin-Leiden und -Freuden. Profitieren würden alle: der Sender, der um die Show einen einträglichen Mix aus Kosmetikspots platzieren kann; die Agenturszene, die, abhängig von den Launen der Top-Designer und Fotografen, zunehmend die Übersicht verliert und hier schon mal den amtlich getesteten Nachschub vorgeführt bekommt. Und die Männer können ein von patriarchalisch-chauvinistischen Restbeständen durchsetztes schlechtes Gewissen abfedern: Wenn Frauen derart selbstbewusst die eigene Zurichtung betreiben, wird ein wenig Süffisanz, Lüsternheit, ja Herablassung wohl noch erlaubt sein.

Catwalk zwischen An- und Enteignung

Es liegt eine große Gefahr im Spiel mit repressiven Strukturen; die Grenze zwischen Aneignung und Enteignung verläuft undeutlich, auch zwischen den Geschlechtern. Das war schon bei den postfeministischen Girlies so: Ihre sexuelle Direktheit ahmte den Gestus des machistischen Mannes nach, demontierte dessen Herrschaftsanspruch durch ein Spiel mit Unterwerfung und Aggressivität. Doch aus dekonstruktiv wurde primitiv: Jede Rapperin bezeichnet sich heute selbst als "bitch", als Schlampe; das F-Wort (und damit ist nicht Feminismus gemeint) gehört zum Basis-Vokabular.

Letztlich sind alle diese medialen Szenarien nicht außerhalb der Produktionsverhältnisse zu denken, und die werden nach wie vor weitgehend von Männern bestimmt. Ob der weibliche Blick eine andere, weniger oder gar nicht pornografische Ästhetik zustande brächte, sei dahingestellt. Pornografisch meint hier die Verkoppelung von Lust und Belastung, Begehren und Demütigung; die Casting-Show fügt diese Konstellation in eine sozial verträgliche, sogar erbauliche Erzählung ein. Sie handelt von Konkurrenz und Gemeinschaft, Enttäuschung und Erfolg, und solange Models Mütter spielen, wird dieses Programm laufen wie geschmiert.

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