Dresden - Heute wurde das Vergabeverfahren für den Bauauftrag gestartet. Am Abend werden die sechs Alternativ-Entwürfe für die Waldschlösschenbrücke vorgestellt. Im Streit um den Bau der Brücke im Dresdner Elbtal sucht die Stadt nach einem Kompromiss, der mit dem Unesco-Welterbe-Status verträglich ist.
Dresdens Barocksilhouette: Stadt sucht Kompromiss
Im Jahr 2004 wurde der etwa 20 Kilometer langen Flusslandschaft der Welterbe-Titel zugesprochen. Wegen des beabsichtigten Brückenbaus kam sie im Juli 2006 auf die rote Liste: Die Brücke würde den freien Blick auf die barocke Stadtsilhouette maßgeblich behindern. Im Jahr 2005 hatten sich die Dresdner in einem Bürgerentscheid für den Bau der Brücke entschieden.
In der Folge hatte sich die Stadt Dresden an das Bundesverfassungsgericht gewandt, um die Elbquerung trotz des Bürgerentscheids noch zu verhindern - ohne Erfolg. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass die Welterbekonvention "keinen absoluten Schutz gegen jede Veränderung der eingetragenen Stätten des Kultur- und Naturerbes" darstelle. Mit der in Karlsruhe abgelehnten Verfassungsbeschwerde und einem gescheiterten Eilantrag der Stadt sind jetzt alle juristischen Möglichkeiten ausgeschöpft, um den Brückenbau zu verhindern.
Heute nun gab das Regierungspräsidium grünes Licht für das Vergabeverfahren des Bauauftrags. Bis kommenden Dienstag hat der amtierende Oberbürgermeister der Stadt Dresden Zeit, die Bieter über die Vergabeentscheidung zu informieren. Nach einer Einwendungsfrist von zwei Wochen werden die Verträge mit dem Bauunternehmen geschlossen.
Nur noch durch ein Zugehen auf die Unesco könne der Verlust des Welterbetitels für das Dresdner Elbtal verhindert werden, so die Auffassung des Kulturausschusses im Bundestag. "Egal was gebaut wird oder nicht, allerhöchste Priorität ist es, in Verhandlungen mit der Unesco zu treten", sagte der Vorsitzende des Ausschusses Hans-Joachim Otto (FDP) der Nachrichtenagentur dpa.
Zudem kündigte er an, dass ein Unesco-Weltkulturerbe-Umsetzungsgesetz erarbeitet werden solle. Otto zufolge habe der Fall Dresden deutlich gemacht, dass die angenommene Verbindlichkeit des Welterbestatus auf kommunaler Ebene nicht oder nicht ausreichend bestehe. Er versprach: "Wir werden unsere Hausaufgaben machen."
bos/dpa
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