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21.06.2007
 

Wahlkampf-Video

Hillary Clinton geht zur Mafia

Erst schrieb sie einen Wettbewerb für ihren Wahlkampf-Song aus, jetzt präsentiert sich Hillary Rodham Clinton als Mitglied der "Sopranos". Die ehemalige First Lady entdeckt die Popkultur und das Internet.

Dass Politiker-Profile in den Medien entstehen, ist so neu wie Gerhard Schröders Vorliebe für Zigarren. Dass Hillary Clintons Image gerade vor allem im Internet gestaltet wird, hat hingegen Nachrichtenwert. Knapp einen Monat lang suchte die Anwärterin der Demokraten für die US-Präsidentschaftskandidatur öffentlich einen Wahlkampfsong.

Wahlkämpferin Clinton: Gut vernetzt
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AP

Wahlkämpferin Clinton: Gut vernetzt

Mit einem bei YouTube platzierten Spot wandte sie sich am 16. Mai erstmals an das amerikanische Volk. "Ich brauche Ihren Rat", hieß der Clip, der neben dem Gespür für interaktive Meinungsbildung auch noch Humor bewies: "Egal welchen Song Sie auswählen, ich verspreche feierlich, ihn nicht öffentlich zu singen", erklärte die ehemalige First Lady.

Jetzt ist das Ergebnis da, und wieder macht sich Clintons Team das Netz zunutze. Und zwar auf eine popkulturell versierte Weise, die sich sehen lassen kann. Ein gestern veröffentlichtes Video zeigt Clinton im Mount Kisco Diner in Westchester, New York. Im Hintergrund dudelt Journeys "Don't Stop Believing", an der Bar sitzt ein dicklicher Finsterling, nach und nach trudeln die Gäste ein, darunter Bill Clinton, der statt Zwiebelringe Rohkost vorgesetzt bekommt.

Wo hatte man diese Szene schon mal gesehen? Richtig: im Finale der legendären TV-Serie "The Sopranos", das letzte Woche in Amerika über die Mattscheiben flimmerte. 12 Millionen Zuschauer nahmen Abschied von Tony und seiner Gangster-Sippe, die sechs Staffeln lang zwischen Therapie und Totschlag den amerikanischen Traum auf ihre Weise erlebte.

Nicht nur die Choreografie der Szene bis in einzelne Kameraschwenks hinein, auch das Personal hat man aus der Serie übernommen - zumindest in einem besonders schwer wiegenden Fall. Der massige Diner-Gast, der sich in Clintons Spot vom Tresen weghievt und Clinton mürrisch mustert, ist der Darsteller Vincent Curatola. In den "Sopranos" spielte er den Gangster John "Johnny Sack" Sacramoni.

"Es ist witzig und leicht", schwärmte Peter Daou, der Regisseur für Clintons Online-Auftritte, in der "Washington Post". Tatsächlich mendelt sich aus der tapferen Stehauffrau eine humorbegabte Medienstrategin heraus. Schon die Ausschreibung eines Wettbewerbs für den Wahlkampfsong war ein raffinierter Schachzug - und ein mutiger obendrein. Nicht nur Lobeshymnen wie "I'm a Believer" wurden eingereicht, es setzt auch kräftig Hiebe. Der "New York Times"-Kolumnist David Brooks schlug "Maneater" vor, der Radio-Moderator Rush Limbaugh "Baby Come Back".

Das Rennen machte Celine Dions "You and I". Wie heißt es in dem Song so schön: "Du und ich, wir sind dazu bestimmt, höher als die Wolken zu fliegen." Mit dem Internet könnte Hillary Rodham Clinton noch einmal richtig aufsteigen.

dan

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