10. Wolfgang Tillmans, London
Wahrheit, Freiheit und "das Sein im Hier und Jetzt" – nur wenige Künstler können ironiefrei und glaubwürdig die ganz großen Themen angehen, ohne am Ende vor Kitsch oder Pomp zu stehen. Wolfgang Tillmans ist so einer. Neuerdings arrangiert der Turner-Prize-Träger seine Fotos mit Zeitungsausschnitten, Büchern und Flyern auf Holztischen, die schwer tragen an den ihnen auferlegten Widersprüchen. Die Arbeiten des 1968 in Remscheid geborenen Künstlers vereinen scheinbare Gegensätze wie Nähe und Freiheit, Schönheit und Analyse, Politik und Metaphysik. Der Venustransit und Abstraktionen auf lichtempfindlichem Papier, ein nackter Mann auf der Couch und knospende Zweige vorm Fenster – sieht man erst mit diesem Tillmans-Blick, tun sich Zusammenhänge auf. Früher dokumentierte der Wahllondoner, der nun mit Between Bridges einen Kunstraum in London betreibt, den Technoaufbruch; im neuen Jahrtausend erweist er sich als sorgsamer Erforscher fotografischer Repräsentation von Wirklichkeiten. Bei seinen jüngsten Aufnahmen von gefaltetem Fotopapier leuchtet der Bildträger selbst in rätselhafter Schönheit.
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