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Publizist Robert Redeker Leben mit der Fatwa

2. Teil: Tag und Nacht war ich eingesperrt

Wir mussten also im Finsteren wohnen, wie in einem Grab, bis wir im Dezember ein anderes Haus gefunden hatten. Tag und Nacht war ich eingesperrt, ja begraben in vier Wänden, mit Ausnahme von Telefon und Internet ohne jeden Kontakt mit der Welt draußen.

Das neue Haus hatte meine Frau gefunden, was bei den unzähligen Sicherheitsvorkehrungen, die man ihr auferlegt hatte, nicht leicht war. Beim Umzug selbst waren wir ohne Hilfe. Das Erziehungsministerium, noch immer mein Arbeitgeber, stellte uns keinen Möbelwagen zur Verfügung. Also transportierten meine Frau und ich in heimlichen Fahrten mit unserem PKW zwei Wochen lang unsere Sachen in das neue Haus. Auch die schweren Möbel, darunter ein Klavier, ein großer, amerikanischer Kühlschrank, schwere Schränke, mussten wir ganz allein transportieren.

Ich bin Redaktionsmitglied der von Jean Paul Sartre gegründeten Zeitschrift "Les Temps Modernes", und als solcher sage ich: Noch nie wurde im modernen Frankreich ein Intellektueller wegen seiner Schriften verurteilt. Demzufolge musste auch noch niemand in Frankreich so leben, wie ich jetzt lebe: zurückgezogen in den Untergrund, beschützt von der Polizei, um einem Todesurteil zu entgehen, das Fanatiker im Ausland verhängt haben.

Die Polizei hat mich ermahnt, misstrauisch gegen jedermann zu sein. Das hat eine außerordentlich unschöne Konsequenz: Die Morddrohung, die über meinen Haupt schwebt, zwingt mich dazu, jeden anderen, vor allem wenn er arabisch aussieht, für verdächtig zu halten, für einen potenziellen Mörder, einen Menschen, der mich vom Leben zum Tod befördern möchte.

Ein normales Leben wird mir für alle Zeiten verschlossen bleiben: In dem kleinen südfranzösischen Dorf, in dem ich derzeit lebe, darf ich niemanden sehen, keine Bekannten haben; ich kann morgens nicht einfach aus dem Haus und Brot kaufen oder eine Zeitung, ich darf nicht ins Bistro, um da einen Kaffee oder ein Glas Rotwein zu trinken; ich muss meine Gewohnheiten aufgeben, ich darf nicht mehr Pétanque spielen auf dem Platz unter den Platanen; ich darf nicht mehr durchs Dorf spazierengehen, die Hände in den Hosentaschen, einfach so; ich darf nicht zum Arzt, nicht zum Zahnarzt, nicht zum Friseur. Bei den allernormalsten Alltagsaktivitäten zerbreche ich mir den Kopf, alles, was einfach war, ist jetzt kompliziert. Ich bin ein politischer Flüchtling in meinem Land.

Wie konnte es zu einer solchen Unterdrückung im heutigen Frankreich kommen? Und wenn es sie in Frankreich gibt, ist sie dann nicht in jedem anderen Land möglich, eines Tages auch in Deutschland?

Die Unterdrückung, die auf mir lastet, ist eine Unterdrückung neuer Art, gegen die der Staat kaum eine Handhabe hat. Eine Unterdrückung des dritten Jahrtausends, die noch nicht einmal einen Namen hat. Eine unsichtbare Freiheitsberaubung: Ich sehe weder meine Kerkermeister noch meine möglichen Mörder. Aber ich weiß, es gibt sie, und sie hindern mich effektiv daran, so zu leben wie meine Mitmenschen, wie vor dem Artikel im "Figaro".

Wegen dieser stillen Gewaltherrschaft, auf die unsere freien Gesellschaften keine Antwort haben, lebe ich wie ein Dieb in der Nacht und musste meinen Vater, der ein einfacher, redlicher, arbeitsamer Mann war, in aller Heimlichkeit begraben.


Übersetzung (gekürzt) aus dem Französischen von Philipp Reuter

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