Hamburg - Das Problem der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten ist bekannt: Jüngere Zuschauer verirren sich nur selten ins Programm von ARD und ZDF. Besonders das ZDF hat in den vergangenen Jahren stark unter dem Zuschauerschwund gelitten. Im Gegensatz dazu hat sogar der Privatsender Vox bessere Zahlen bei der Zuschauerschaft zwischen 14 und 49 Jahren vorzuweisen. Dessen Marktanteil beträgt gegenwärtig rund acht Prozent Marktanteil, das ZDF erreicht nur rund sechs Prozent.
Damit soll nun Schluss sein, der Mainzer Sender plant eine umfassende programmliche Neuausrichtung, um den Zuschauernachwuchs nicht zu verlieren. "Wir wollen das jüngere Publikum, das unser Programm gegenwärtig einschaltet, zumindest behalten", ist die neue Devise von Programmdirektor Thomas Bellut.
So soll das ZDF von Januar nächsten Jahres an gleich an mehreren Wochentagen im Abendprogramm ein neues Gesicht bekommen. Bellut erhofft sich damit eine "Belebung" des Programms. Zentral bei der Frischzellenkur ist die Neuausrichtung des Mittwochabends. Künftig werden die Serien und das Magazin "ZDF.reporter" donnerstags um 20.15 Uhr und um 21 Uhr zu sehen sein. Mittwochs leitet ein 90-Minuten-Format den Abend ein - das kann ein abendfüllender, "frauenaffiner" Film sein oder auch eine Show wie zum Beispiel "Wie schlau ist Deutschland?" mit Johannes B. Kerner.
Außerdem soll das Kriminalmagazin "Aktenzeichen XY... ungelöst" überarbeitet werden. Der ZDF-Klassiker wird ebenfalls vom Donnerstag auf den Mittwoch vorrücken und von 60 auf 90 Minuten verlängert, aber mit zehn Ausgaben pro Jahr in geringerer Schlagzahl als bisher. Auch das "Auslandsjournal" wird zukünftig am Mittwochabend (22.45 Uhr) ausgestrahlt. Das könnte für Streit mit der ARD sorgen. Denn gerade mit weicheren TV-Filmen zur Primetime um 20.15 Uhr könnte das ZDF der ARD genau das Publikum abspenstig machen, das sonst mittwochs die eher sperrigen und sozialkritischen Filme im Ersten sieht. Bellut kündigte an, die Sendetermine der Filme mit der ARD abzustimmen.
Auch den Sonntag will das ZDF reanimieren, indem das Magazin "History" mit Guido Knopp vom späten Abend auf 18.30 Uhr vorgezogen wird und die Dokumentationen, die der Chefredaktion unterstehen, auf den Termin nach dem "heute journal" kurz nach 22 Uhr ausgestrahlt werden.
Nur was die beim älteren Klientel beliebten Volksmusikshows betrifft, bleibt das ZDF trotz aller öffentlichen Proteste seiner vor wenigen Wochen angekündigten Linie treu. "Wir werden die Volksmusikshows künftig an Wochenenden und Feiertagen konzentrieren, nur noch in seltenen Ausnahmefällen auf die Wochentermine gehen", sagte Bellut. Mit dem Duo Marianne & Michael, bisher donnerstags mit den "Lustigen Musikanten" zu sehen, werde verhandelt. Gleiches gelte für Andrea Ballschuh und ihre Show "Zauberhafte Berge".
Sicher ist, dass der Montag mit seinem Filmangebot und der Freitag mit den Krimiserien von den Umbauplänen unberührt bleiben. Offen ist dagegen, ob nach dem Tod von Hauptdarsteller Ulrich Mühe die Serie "Der letzte Zeuge" weiter gedreht wird. Laut Bellut führt das ZDF Gespräche mit dem Produzenten, der Odeon-Film.
hoc/dpa
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